Die europäische Sonnensonde Solar Orbiter ist in der Nacht zu Montag vom US-Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida aus an Bord einer Atlas-V411-Rakete erfolgreich gestartet. Daniel Müller von der Europäischen Weltraumagentur ESA sprach von einem Bilderbuchstart. Plötzlich habe man das Gefühl, wirklich mit dem gesamten Sonnensystem verbunden zu sein, sagte Müller.

Auch die erste entscheidende Phase der Mission, die Entfaltung der Sonnensegel, verlief "recht reibungslos", sagte der Leiter des ESA-Raumfahrtkontrollzentrums Rolf Densing im ZDF-Morgenmagazin. Die Sonde erhält durch die Sonnensegel ausreichend Energie für ihre Reise.

Die nach Schätzungen fast 1,5 Milliarden teure gemeinsame Mission der ESA und der US-Raumfahrtbehörde NASA soll neue Erkenntnisse über die Sonne ermöglichen und erstmals auch die Pole des Sterns untersuchen. Zudem soll die Sonde der ESA helfen, für die Erde gefährliche Weltraumwetterfronten besser vorherzusagen. Bis ins Zentrum unseres Sonnensystems wird die Solar Orbiter etwa dreieinhalb Jahre brauchen. Insgesamt ist die Mission auf zehn Jahre ausgelegt.

Bis auf 42 Millionen Kilometer soll die 1,8 Tonnen schwere Sonde an die Sonne heranfliegen. Nach Angaben der ESA ist die Intensität der Sonne in dieser Entfernung bereits 13-mal so hoch wie auf der Erde.

Auf der Oberfläche der Sonne herrschen Temperaturen von rund 5.500 Grad Celsius – 15 bis 16 Millionen Grad sind es im Inneren des Sterns. Um vor der Hitze geschützt zu sein, verfügt die Sonde über ein Hitzeschild aus Titan. Außerdem ist die Sonde mit zehn wissenschaftlichen Instrumenten bestückt. Auf der Flugbahn der Solar Orbiter wird die größte Distanz zwischen ihr und der Erde bei 300 Millionen Kilometer liegen. Ein Radiosignal wird dann 16,6 Minuten brauchen.