Ihre umfassende und alarmierende Darstellung der Problemlage der naturkundlichen Forschungssammlungen in Deutschland vom 28.04. ist leider in vieler Hinsicht – auch für botanische und mykologische Sammlungen - zutreffend. Wir möchten als ergänzendes Informationsangebot auf eine internationale, zukunftsweisende Initiative zur Erschließung der in den Sammlungen enthaltenen wissenschaftlichen Daten hinweisen, die in Deutschland vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und auf Europäischer Ebene von der EU unterstützt wird: Die Global Biodiversity Information Facility (GBIF; www.gbif.org ) verfolgt das Ziel, weltweit Grundlagendaten und Informationen zur Biodiversität zu erschließen und zu einem verteilten Informationssystem zu vernetzen, das als virtuelle Großeinrichtung kleine und große Sammlungen einbezieht und auch die uneinheitlichen Kataloge der bekannten Organismen zusammenführen und vereinheitlichen wird. GBIF beruht auf einer Vereinbarung zwischen derzeit  77 Staaten und internationalen Organisationen und verpflichtet seine Mitglieder zur freien Bereitstellung von Biodiversitätsinformation für das globale Netzwerk.

GBIF-Deutschland sorgt über ein Netzwerk von 7 Knoteninstitutionen und 66 derzeit geförderten Projekten vor allem für die Mobilisierung der in deutschen biologischen Sammlungen enthaltenen Daten. Die von der EU geförderte BioCASE Initiative (Biological Collection Information Service for Europe) und weitere Projekte bewerkstelligen eine Einbindung in die Europäische Forschungslandschaft – so ist das erwähnte Zentralregister der Forschungssammlungen (ZeFOD) als deutscher Beitrag in BioCASE eingebunden. Diese Datenerschließung kann keinesfalls die Sammlungsobjekte ersetzen – sie unterstreicht aber ihren bleibenden wissenschaftlichen Wert und die gesellschaftliche Verantwortung, für ihren dauerhaften Erhalt und ihre Zugänglichkeit zu sorgen. Durch die Zusammenarbeit von GBIF, BioCASE und anderen regionalen Netzwerken mit den nationalen Initiativen und Institutionen eröffnen sich auch für die Sammlungen in Deutschland neue Perspektiven, ihren essentiellen Beitrag zur Grundlagenforschung effizient nutzbar zu machen.

GBIF Deutschland Koordinatoren:

Prof. Dr. Walter Berendsohn, Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin-Dahlem, Freie Universität Berlin

Dr. Renate van den Elzen, Zoologisches Forschungsinstitut und Museum A. Koenig

Prof. Dr. Gerhard Haszprunar, Direktor der Zoologischen Staatssammlung München