Mit Interesse habe ich den Beitrag zur Situation der Naturkundemuseen in Deutschland in "Der Zeit" gelesen und stimme Ihnen zu, dass dieser Zustand für eine Kulturnation unhaltbar ist. Es ist schlimm, dass auch auf Bundesebene der Verlust national und international bedeutsamen Kulturgutes mit lapidarem Verweis auf die Zuständigkeit der Bundesländer in Kauf genommen wird.

Als Mitglied im Förderverein des Museums für Naturkunde und Vorgeschichte Dessau möchte ich bezugnehmend auf ihren Beitrag darauf hinweisen, dass die hiesigen Sammlungen n o c h nicht aufgelöst sind. Allerdings existiert schon ein Beschluß des Stadtparlamentes, der entsprechend der Vorlage des Oberbürgermeisters der Stadt eine finanzielle Ausgabeneinsparung in Höhe der Personalkosten für sämtliches Fachpersonal (Kustoden, Präparatoren) des Museums vorsieht. Das Schicksal der Sammlungen wäre damit vorprogrammiert. Unbedingt erwähnt werden muß aber die unheilvolle Haltung des Landes Sachsen-Anhalt in Bezug auf die Naturkundemuseen auf seinem Territorium. Sie werden einfach völlig ignoriert, obwohl hier nicht nur regional bedeutsame Objekte bewahrt werden, sondern auch solche von nationalem und internationalem Rang (z. B. Typen). Der Vorschlag einer umfänglich sehr kleinen und damit in den Kosten, verglichen mit anderen Bundesländern, äußerst moderaten Landessammlung für Naturkunde mit den Standorten Magdeburg und Dessau liegt schon lange auf dem Tisch. Unterstützt werden vom Kultusministerium jedoch ganz vorrangig eigene Projekte, die Naturkunde aber nicht. Darum steht zu befürchten, dass, wenn die Rettung Dessaus misslingt, in nicht ferner Zukunft auch die anderen naturkundlichen Sammlungen in Sachsen-Anhalt "aufgelöst werden" oder sich selbst "auflösen".

Mit freundlichen Grüßen,