Die Geschichte der Passagierluftfahrt beginnt mit einem Crash. Am 28. Juni 1910 fährt der Zeppelin LZ 7Deutschland aus Düsseldorf ab. Er soll von nun an regelmäßig Gäste via Frankfurt nach Baden-Baden und zurück befördern. Unter den 23 Passagieren sind etliche Journalisten, die über die erste kommerzielle Zeppelin-Fahrt – nicht Flug, darauf besteht der Luftschiffer ebenso wie der Ballonfahrer – berichten sollen.

Die Flug-, Pardon Fahrgäste reisen bequem: Die Mahagonitäfelung der Passagierkabine ist mit Perlmutt eingelegt, Teppiche liegen in der Gondel unter der 127 Meter langen Zigarre aus Stoff und gasdichtem Rinderblinddarm. Doch einer der Daimler-Motoren stottert, ein Unwetter zieht auf. LZ 7 stürzt bei Iburg, heute Bad Iburg, in den Teutoburger Wald. Niemand wird ernsthaft verletzt, aber das Luftschiff ist nicht zu retten.

Der deutsche Luftschiff-Pionier Graf Ferdinand von Zeppelin (1838 - 1917)

Nur wenige Monate zuvor wurde die Deutsche Luftschifffahrts-Aktiengesellschaft, kurz Delag, am 16. November 1909 in Frankfurt am Main gegründet. Ihr Ziel: Sie will allen Ernstes Menschen dazu bringen, für Fahrten in Zeppelinen zu bezahlen. Dabei haben die wasserstoffgefüllten Luftschiffe mit Aluminiumgerippe eine desaströse Unfallbilanz: Ferdinand Graf von Zeppelins erstes Modell, LZ 1, beendet seine erste und einzige Fahrt im Juli 1900 mit einer Notwasserung. LZ 2 wird bei der ersten Fahrt 1906 von einem Sturm zerstört. Immerhin, LZ 3 kann der Graf an das Militär verkaufen. LZ 4 stürzt 1908 bei einer Demonstrationsfahrt in einen Obstbaum und verbrennt. LZ 5 wird im April 1910 an einen Felsen gedrückt – Totalschaden.

Dass Graf von Zeppelin überhaupt noch Luftschiffe bauen kann, verdankt er technikbegeisterten Deutschen, die ihn nach der Havarie der LZ 4 mit Spenden überschwemmen. Und er verdankt es Alfred Colsman, Generaldirektor der Luftschiffbau Zeppelin GmbH. Colsman treibt immer neues Geld auf, sein Unternehmergeist ist unerschöpflich.

Colsman gründet neben anderen Konzerntöchtern die Delag – die erste Fluggesellschaft der Welt – oder doch Fahrtgesellschaft? Er kauft vom Militär die LZ 6 zurück und schafft bis 1914 weitere sechs Luftschiffe an. Mehrere deutsche Großstädte sind an der Delag beteiligt. Das Kapital reicht, um den nächsten Rückschlag zu verkraften: Kapitän Hugo Eckener kracht mit LZ 8, Deutschland getauft wie LZ 7, sechs Wochen nach der Jungfernfahrt ins Dach des Hangars.

Dann hebt die Delag endlich ab: Luftschiffe wie die Schwaben, die Viktoria Luise und die Hansa absolvieren bis zum Ersten Weltkrieg fast 1500 Fahrten – meist als Rundfahrt über einer Stadt, aber auch zwischen Düsseldorf, Baden-Oos, Berlin-Johannisthal, Gotha, Frankfurt, Hamburg, Dresden und Leipzig. Unterwegs wird edel gespeist, das Personal reicht passende Weine.