1980 ist die Welt sich einig: 64 Länder boykottieren die Olympischen Spiele in Moskau, 16 nehmen nicht unter ihrer Nationalflagge teil, weil die Rote Armee in Afghanistan einmarschiert ist. Die Nato, die islamische Welt, die Vereinten Nationen, selbst die Blockfreien Staaten brandmarken die Sowjetunion als Aggressor. Deren Gegner, die Mudschaheddin, sind die Guten.

Das Schwarz-weiß-Bild kann einige Grautöne vertragen: In dem blutigen Konflikt machen sich viele Akteure die Finger schmutzig. Das Land ist ein ideales Experimentierfeld für kalte Krieger. Afghanistan ist erst seit 1973 eine Republik, hat nur ein paar Jahre Demokratie hinter sich.

1978 bringt das Militär die kommunistische Demokratische Volkspartei an die Macht. Sie will Afghanistan zu einem modernen sozialistischen Staat entwickeln. Die Sowjets fördern das unterentwickelte Nachbarland seit den fünfziger Jahren mit Krediten, Beratern, Bauprojekten, Militärausbildern. Afghanistan soll der sozialistische Brückenkopf sein an der vom Islam belagerten sowjetischen Südflanke.

Viele Afghanen sympathisieren jedoch mit islamisch-konservativen bis fundamentalistischen Ideen. Der muslimische Klerus, der sich gegen die Säkularisierung wehrt, ruft gemeinsam mit den Großgrundbesitzern, die sich nicht enteignen lassen wollen, zum Kampf gegen die Kommunisten. Rund 30 Widerstandsgruppen entstehen: die Mudschaheddin, Kämpfer Gottes.

Im September 1979 schießt Hafisullah Amin, ein innerparteilicher Rivale, Regierungschef Nur Mohammed Taraki nieder, lässt ihn dann im Krankenhaus erdrosseln. Kurz darauf beschließt Moskau den Einmarsch in Afghanistan: Die Sowjets trauen Amin nicht.

Am Heiligabend beginnt die Invasion. Im Minutentakt setzen schwere Transportmaschinen Soldaten, Panzerfahrzeuge, Waffen und Munition auf den Flughäfen in Kabul und Bagram ab. Rund 4000 sowjetische Militärberater und 1000 Soldaten sind ohnehin schon im Land. Am 25. Dezember beginnen Panzerverbände aus Tadschikistan den Marsch auf Herat und Kabul. Die desolate afghanische Armee hat ihnen nichts entgegenzusetzen.

Am Abend des 27. Dezember sprengt ein Kommandotrupp, wohl KGB-Agenten in afghanischen Uniformen, das Telegrafenamt, besetzt die Rundfunkstation und dringt in eine Bar ein, in der Präsident Amin sich mit einer Geliebten vergnügt. Beide werden erschossen. Der moskautreue Kommunist Babrak Karmal wird Regierungschef.

Die USA akzeptieren ihn zunächst. Doch die CIA hat noch eine Rechnung offen: Der Geheimdienst will sich in Afghanistan für den verlorenen Vietnamkrieg rächen. Also unterstützt er die Mudschaheddin: Er liefert Informationen und vor allem Waffen, die unter anderem aus Ägypten, Israel, Großbritannien und den USA selbst kommen.