Es ist still. Es ist stockdunkel. Es ist saukalt. Und der Druck ist tödlich auf dem Grund des Marianengrabens. 1100 Bar lasten auf dem U-Boot. Wenn jetzt etwas schiefgeht, wenn sie nicht mehr auftauchen können, müssen der Schweizer Abenteurer Jacques Piccard und US-Marineleutnant Don Walsh per Funk ihren Lieben Adieu sagen – helfen kann ihnen niemand.

Fast 13 Zentimeter dick sind die Wände der Tauchkugel, geschmiedet von Krupp in Essen . Piccard und Walsh passen gerade so hinein. Der Rest der Trieste besteht vor allem aus Benzintanks für den Auftrieb. Benzin ist leichter als Wasser, auch unter hohem Druck, was das Absinken des U-Bootes bis zum Meeresgrund verhinderte. Als Ballast dienst Eisenschrot, festgehalten mithilfe eines Magneten an Bord des U-Bootes. Wenn der Strom an Bord ausfällt, verliert auch der Magnet seine Kraft, der Ballast wird abgeworfen, und das Boot taucht auf. Hoffentlich. Der Sauerstoff reicht zwei Tage.

Piccard hat das U-Boot mit seinem Vater Auguste gebaut. Der 1884 geborene Physiker hat 1932 einen Rekord in der anderen Richtung aufgestellt: mit einem Ballon in der Stratosphäre, bei knapp 17.000 Meter. Auch Augustes Zwillingsbruder Jean-Felix Piccard steigt im Ballon auf. Seine Gattin Jeannette ist die erste Frau in der Stratosphäre, Sohn Don fährt mit.

Jacques Piccard, 1922 geboren, studiert brav Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in Genf, bevor die Familienkrankheit des Abenteurertums ihn packt und er sich den mittlerweile auf Meerestiefen zielenden Experimenten des Vaters anschließt. Ihr U-Boot nennen die Piccards Batyhskaph , von den griechischen Wörtern für Tiefe und Schiff.

Im Gegensatz zu den Bathyspheren, den bis dahin üblichen Tiefseetauchkugeln, kann die in Triest gebaute Trieste selbstständig auftauchen, muss nicht von einem Schiff hochgezogen werden. Die zentrale Kammer bleibt eine Kugel: Keine andere Form hält dem Druck stand.

"Die Werftgarantie liegt bei 90 Metern. Naja, wir können auch tiefer. Irgendwann ist natürlich Schluss", knarzt Martin Semmelrogge als Zweiter Wachoffizier in Das Boot . Im Film nach den Erinnerungen von Lothar-Günther Buchheim ist es schon ein Wunder, dass die deutsche U96 in 280 Meter Tiefe nicht birst. Das ist im Zweiten Weltkrieg, zwölf Jahre, bevor die Trieste 1953 zum ersten Mal taucht.

Die Piccards bauen das Boot mehrfach um, verkaufen es 1958 an die US-Marine. Die USA und die Sowjetunion liefern sich nicht nur einen Wettlauf ins Weltall, auch in die Tiefen der Meere wollen beide Weltmächte als erste vordringen. Nachdem die UdSSR 1957 den Sputnik in den Orbit geschossen hat, wollen die USA sich wenigstens im Wasser revanchieren.