Einst werde eine leuchtende, doch nun düstere, erkaltete Sonne die Bahn der Erde kreuzen und mit ihr zusammenstoßen. Nicht nur das Ende des blauen Planeten stehe dann bevor, der "Tote Stern" werde gar das ganze Sonnensystem "zerschmettern". Das zumindest prophezeite der Amerikaner Garett P. Serviss in dem 1910 erschienenen Sammelband Die Welt in 100 Jahren .

Heute sieht es nicht danach aus, als sei die Erde auf Kollisionskurs mit einem solchen Stern. Ist das Szenario also nur das Hirngespinst eines Science-Fiction-Autors oder logische Konsequenz der damaligen Kenntnisse, die sich ein Astronomie-Begeisterter angeeignet hatte? Serviss war beides: Nach seinem Jura-Studium wurde er Science-Fiction-Schriftsteller und Journalist mit einem Faible fürs All.

"Manches erzählt Serviss recht blumig und abenteuerlich", sagt der Astrophysiker Andreas Müller , wissenschaftlicher Koordinator des Exzellenzclusters Universe in München . In den Schilderungen des Zeitzeugen fehlten zudem physikalische Grundkenntnisse, etwa die Erhaltungssätze für Energie und Drehimpuls. Dinge, die Serviss als Hobby-Astronom eigentlich hätte wissen müssen.

Wie stellten sich Forscher und Visionäre vor 100 Jahren die Welt von heute vor? © FPG/Hulton Archive/Getty Images

Doch reine Fiktion ist Serviss' Vision vom Weltuntergang auch nicht: Die toten Sterne, die er beschreibt, entsprechen nach heutigem Verständnis Schwarzen Löchern, jenen Alles-Schluckern im All, die selbst das Licht in ihrer Umgebung aufzehren und so selbst unsichtbar sind.

Schwarze Löcher entstehen, wenn ein Stern sein Leben aushaucht und mit einer letzten gigantischen Explosion zerstört wird. Hatte der Stern mindestens die dreifache Masse unserer Sonne, dann stürzt er im Bruchteil einer Sekunde in sich zusammen. Die Materie ist hier so dicht und die Gravitation so gewaltig, das selbst Lichtstrahlen geschluckt werden. Den Begriff "Schwarzes Loch" etablierte 1967 der amerikanische Astronom John Archibald Wheeler.

Auch im Zentrum unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße, das 27.000 Lichtjahre von der Erde entfernt ist, muss sich ein Schwarzes Loch befinden. Es besitzt so viel Masse wie vier Millionen Sonnen. Das ergaben Beobachtungen, die ein Team um Reinhard Genzel vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik seit 1992 durchführt. "Dieses Schwarze Loch hat aber keinen Einfluss auf die Entwicklung unseres Sonnensystems", sagt Genzel. Auch vom Schwarzen Loch, das der Erde am nächsten ist, geht keine Gefahr aus: A0620-00 ist mit rund 3000 Lichtjahren Abstand im astronomischen Maßstab nur einen Katzensprung entfernt, wird der Erde aber nie in die Quere kommen.

Nicht einmal die Zwerge unter den Schwarzen Löchern werden die Welt ernsthaft bedrohen, auch wenn dies oft behauptet wird – wie zuletzt im Herbst 2008, als der Teilchenbeschleuniger LHC am Kernforschungszentrum Cern in Betrieb gehen sollte. Der deutsche Chemiker Otto E. Rössler und weitere Gegner des Projekts hatten prophezeit, in der Anlage könnten schwarze Mini-Löcher entstehen, die die den Planten schlucken könnten. Dabei wurde solch ein Mini-Monster noch nie nachgewiesen, sondern nur theoretisch berechnet.