Sind wir alleine im All? Die Frage fasziniert Wissenschaftler wie Laien seit Jahrhunderten. Aber erst seit 50 Jahren wird konkret nach Zeichen außerirdischen Lebens gesucht. Im Jahr 1960 horchte der Astronom Frank Drake von der amerikanischen Cornell University zwei Monate lang mit einem Radioteleskop den Himmel ab – ohne auf "intelligente" Signale zu stoßen. 2000 US-Dollar kostete seine Aktion damals. Inzwischen sind viele Millionen dafür verwendet worden, aber das Ergebnis ist immer dasselbe: nichts.

Dafür, dass sie ein ganzes Forscherleben in ein bislang fruchtloses Unterfangen investiert haben, sind die Seti-Wissenschaftler (Seti steht für "search for extra-terrestrial intelligence" also die "Suche nach außerirdischer Intelligenz") erstaunlich gut gelaunt. Am Sonntag trafen sie sich auf der Jahresversammlung der amerikanischen Wissenschaftsorganisation AAAS in San Diego, und ihre Stimmung war alles andere als resignativ. Im Gegenteil, mit einer gehörigen Portion Selbstironie, aber ungebrochenem Optimismus berichteten die Forscher vom Stand ihrer Arbeit – wissend, dass der Empfang eines außerirdischen Funksignals wohl die bedeutendste Entdeckung des Jahrhunderts, wenn nicht sogar der Menschheitsgeschichte sein würde.

Der heute 79-jährige Drake war nicht nur der erste Seti-Forscher, er hat auch eine berühmte Formel aufgestellt, mit der man die Wahrscheinlichkeit für die Existenz intelligenten Lebens im All berechnen kann. Viele Faktoren enthält die Gleichung, und alle sind naturgemäß schwer abzuschätzen: Wie groß ist der Prozentsatz der Sterne, die von einem bewohnbaren Planeten umkreist werden? Mit welcher Wahrscheinlichkeit entwickelt sich dort Leben? Führt die Evolution zwangsläufig zur Herausbildung von Arten, die wir als intelligent bezeichnen würden? Und hätten die ein Interesse, mit anderen Zivilisationen in Kontakt zu treten, oder wären sie sich selbst genug?

Wenn man davon ausgeht, dass die Aliens überhaupt die Funktechnik entwickelt haben (wir selbst verfügen ja erst seit 100 Jahren darüber), so der Gedanke hinter Seti, dann müsste es möglich sein, sowohl gezielt gesendete Signale aus diesen Welten zu empfangen als auch "Leckstrahlung" des örtlichen Rundfunks, die ins Weltall dringt. Diese Überlegung lag Anfang der sechziger Jahre nahe, als irdische Radio- und Fernsehsender mit gewaltiger Sendeleistung ihre Programme verbreiteten.

Die Bugwelle der Lassie- und Bonanza-Serien hat schon etwa 2000 Sterne in unserer astronomischen Nachbarschaft erreicht. Mittlerweile ist die Erde allerdings erheblich ruhiger geworden. Die Digitaltechnik, erzählt Drake fast bedauernd, braucht viel weniger Sendeleistung, selbst Fernsehsatelliten kommen mit wenigen Watt aus, die sie zudem fast ausschließlich in Richtung Erde senden. In ein paar Jahren wird die Erde vom All aus kaum noch als bewohnter Planet zu erkennen sein.