Im englischen Dorset häufen sich die Skelette. Bei Bauarbeiten für eine Umgehungsstraße in der Grafschaft im Südwesten Englands ist bereits im Juni 2009 ein Massengrab entdeckt worden. Unbekannt war bislang, wer dort begraben ist. Nun fanden Archäologen heraus, dass es sich bei den Enthaupteten um Wikinger handelt.

"Wir wussten schon lange, dass wir in Dorset ein großes historisches Umfeld haben. Aber wir hätten es uns niemals träumen lassen, ein Wikinger-Grab dieses Ausmaßes zu finden", sagt Angus Campell, Vorsitzender des Dorset County Council. Mehr als 50 Skelette fanden die Archäologe in der Erde – allesamt enthauptet. "Es ist relativ selten, ein Massengrab zu finden, aber eines in dieser Größenordnung, aus dieser Zeit, ist sehr ungewöhnlich und bietet unglaubliche Möglichkeiten, mehr darüber herauszufinden, was damals in Dorset geschah", sagt Projektleiter David Score.

Während man zunächst dachte, dass die Funde aus der Eisenzeit um 80 vor Christus oder der frühen römischen Zeit ab 43 nach Christus stammen, konnten die Archäologen um Jane Evans und ihre Kollegin Carolyn Chenery vom NERC Isotope Geosciences Laboratory in Nottingham die Skelette auf zwischen 910 bis 1030 nach Christus datieren.

Die Zähne aus dem Grab wurden mit der neusten Technik analysiert. Die Forscher erklären im Video (in englischer Sprache), was ihnen die Skelett-Funde berichten

Es wird nun davon ausgegangen, dass die Männer von Angelsachsen vor einem Publikum hingerichtet worden und anschließend nackt begraben worden sind. Überreste von Kleidung fanden sich nämlich nicht. Aufgrund des jungen Alters – die meisten waren circa 20 Jahre alt – und der körperlichen Fitness sind sich die Wissenschaftler zudem ziemlich sicher, dass es sich bei den Toten um Kämpfer handelt. "Sie könnten Teil eines Stoßtrupps gewesen sein, zu einer größeren Armee gehört haben, die sich ihren Weg durch den Süden von England bahnte oder Verlierer einer lokalen Auseinandersetzung gewesen sein", sagt Score.

Zahnproben von zehn der Leichen hätten ergeben, dass sie in Ländern aufgewachsen seien, in denen es wesentlich kälter war als auf der britischen Insel, heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Pressemitteilung. "In jungen Jahren werden durch die Nahrung aufgenommene Isotope im Zahnschmelz und Dentin abgelagert", sagt Evans (siehe auch Video). Im Labor werden diese Isotope wieder zurückgewonnen und untersucht. "Die Daten legen nahe, dass die hingerichteten Männer aus verschiedenen Regionen in Skandinavien stammen."

Die Wissenschaftler hoffen nun auf neue Erkenntnisse zum Lebensstil, der Ernährung, der allgemeinen Gesundheit und den Aktivitäten der Wikinger.