Zu diesem Zeitpunkt hat "Gorbi" den Zenit seiner Karriere erreicht. Eigens für ihn wird das Amt des Präsidenten der UdSSR geschaffen. Doch Gorbatschow hat Geister gerufen, die er nicht mehr los wird. Die Teilrepubliken der Sowjetunion streben nach Unabhängigkeit. Als erstes erklärt sich Litauen für souverän – am 11. März 1990, auf den Tag fünf Jahre, nachdem Gorbatschow an die Macht kam. Er lässt das Land erst von der Energie- und Lebensmittelversorgung abschneiden, schickt dann Panzer. Am Blutsonntag von Vilnius am 13. Januar 1991 sterben 14 Menschen. Gorbatschow gilt im Baltikum bis heute als Verbrecher, nicht als Heilsbringer.

Um die Fliehkräfte zu bremsen, bereitet Moskau einen neuen Unionsvertrag vor, der den Teilrepubliken mehr Unabhängigkeit gibt. Im August 1991 putschen konservative kommunistische Politiker und Militärs (die "Bande der Acht"), um den Umbau zu stoppen. Nicht Gorbatschow, sondern der damals neu gewählte Präsident der Teilrepublik Russland bekommt den Putsch in den Griff: Boris Jelzin.

Einen Tag nach der Niederschlagung des Putsches erklärt die Ukraine ihre Unabhängigkeit, weitere Sowjetrepubliken folgen. Jelzin entmachtet Gorbatschow schrittweise. Am 25. Dezember 1991 tritt dieser als Präsident zurück. Die Rote Fahne über dem Kreml wird eingeholt, die UdSSR hört am Silvesterabend 1991 zu existieren auf.

Der Rest ist Chaos. Der behutsame wirtschaftliche Umbau, den Gorbatschow sich vorgestellt hat, ist gescheitert. Oligarchen reißen die Reichtümer des Landes an sich. Gorbatschow geben die Russen die Schuld für das Durcheinander; als er 1996 zu den russischen Präsidentschaftswahlen antritt, erhält er nicht einmal ein Prozent der Stimmen. Heute reist er gern als Elder Statesman durch die Welt; in Russland hört niemand mehr auf ihn. Solche Gefahren warten auch auf jene, die das Leben nicht ignorieren.