Am Morgen des Dienstags nach Ostern, 19. April 1960, kommt Otto Praun nicht in seine Praxis. Die Sprechstundenhilfe des Gynäkologen, Renate M., ruft ihn in seiner Villa in Pöcking an; er nimmt nicht ab. Abends fährt sie an den Starnberger See. Im Keller liegen zwei Leichen: Dr. Praun und Elfriede Kloo, seine Haushälterin, womöglich Geliebte.

Eine Pistole liegt neben beiden. Die Polizei glaubt, Praun habe Elfriede Kloo und sich selbst erschossen. Auch Prauns Sohn Günther geht von einem "erweiterten Suizid" aus. Das sagt er Vera Brühne, als er sie in Bonn anruft, wo sie ihre kranke Mutter besucht.

Jetzt käme in der Krimiserie Derrick die Rückblende: Wer ist diese Vera-Maria Brühne, geboren 1910; Mädchenname Kohlen; Haushaltsschule; vom dem Schauspieler Hans Cossy geschieden, dann mit dem Filmkomponisten Lothar Brühne (Kann denn Liebe Sünde sein) verheiratet. 1957 trifft Brühne den 16 Jahre älteren Otto Praun. Sie reist mit ihm an die Costa Brava, er macht sie zur Verwalterin seiner Ferienvilla in Lloret de Mar.

Die 1,78 Meter große, schlanke, elegante Blondine ist ein gefundenes Fressen für die Boulevard-Presse der biederen Adenauer-Republik. Die Blätter beschreiben sie als geldgierige "Lebedame". In der Tat begleitet Brühne oft großzügige Herren, aber Nachbarn bezeugen, nie habe einer bei ihr übernachtet.

Zurück ins Jahr 1960. Das Testament wird eröffnet. Als Günther Praun hört, dass sein Vater Vera Brühne lebenslanges Wohnrecht in der spanischen Villa in Lloret vermacht, wird er misstrauisch. Er lässt die Leichen exhumieren. Ein Gerichtsmediziner entdeckt in Prauns Schädel eine zweite Kugel – Suizid unwahrscheinlich.

Jetzt erst werden Spuren gesichert; die Ermittlungen ziehen sich hin. Im Sommer 1961 reist Brühne mit ihrer Tochter Sylvia Kosiolkowski (so hieß Hans Cossy mit bürgerlichem Namen) nach Lloret. Bei der Rückkehr wird sie im Oktober in München festgenommen.

Neben ihr auf der Anklagebank: Johann Ferbach. Er hat Brühne und ihre Tochter im Krieg aus einer Bombenruine in Köln gerettet. Die Staatsanwaltschaft glaubt, Brühne habe ihn zum Mord angestiftet, um sich die Villa in Spanien zu sichern.

Als der Prozess in München im April 1962 beginnt, bricht um das Justizgebäude der Verkehr zusammen. Die Regenbogenpresse fällt tägliche Schuldsprüche. Sylvia Kosiolkowski erzählt einem Reporter, ihre Mutter habe ihr den Mord gestanden. Später nimmt sie es zurück.