In Göttingen machte sich der Physikprofessor Georg Christoph Lichtenberg in seinen Briefen über Menschen lustig, die im Angesicht der merkwürdigen Erscheinungen das Ende aller Tage vorhersahen. Lichtenberg selbst glaubte, der Nebel sei infolge eines gewaltigen Erdbebens in Süditalien entstanden, das im selben Frühjahr die Stadt Messina völlig zerstört hatte.

Doch auch die einsetzende akademische Debatte über den "merckwürdigen" Nebel konnte die wilden Deutungen, die Spekulationen und Ängste in Teilen der Bevölkerung nicht stoppen. In Deutschland wurde die apokalyptische Stimmung noch angeheizt, als Zeitungen Ende Juni berichteten, dass es heftige Aktivitäten eines "feuerspeyenden Berges" in Thüringen gegeben habe, was aber wenig später als Ente entlarvt wurde.

Allerdings hatten die Eruptionen an der Laki-Spalte durchaus Auswirkungen auf das gesamte Klima in Europa, wie man heute weiß. Im Februar 1784 überfluteten schwere Hochwasser Mitteleuropa – nach einem besonders strengen Winter. Geologen erklären das so: Nachdem die Sonne wieder klar erkennbar war, bedeutete dies nicht, dass die Aerosole aus der Troposphäre völlig verschwunden waren. Vielmehr stiegen sie in höhere Luftschichten auf und lagerten sich dort an. Das Sonnenlicht konnte die Erde also auch noch Monate nach den ersten Ausbrüchen im Jahr 1783 nicht richtig erwärmen. Die Durchschnittstemperaturen auf der gesamten Nordhalbkugel fielen um bis zu 2 Grad Celsius ab.

Benjamin Franklin, seinerzeit amerikanischer Botschafter in Paris, hatte den dichten Nebel selbst beobachtet und zudem Nachrichten über eisiges Winterwetter im Norden der Vereinigten Staaten erhalten. Als erster Naturwissenschaftler erkannte er, dass der Vulkanausbruch auf Island den Nebel und den nachfolgenden Frost in Europa ausgelöst haben könnte.

Manche Forscher gingen sogar so weit, die Französische Revolution im Jahr 1789 auf den Laki-Ausbruch zurückzuführen. Ein Mythos, der heute noch unter Geologen und Touristenführern auf Island verbreitet ist. Die These: Eine Missernte im Jahr 1788, verursacht durch den Klimawandel nach den Vulkanausbruch, soll Hungersnöte ausgelöst, die Menschen in Aufruhr versetzt und schließlich die Revolution ausgelöst haben. Tatsächlich gab es diese Hungersnot – doch liegen zwischen den Ereignissen immerhin sechs Jahre. Ob und wie sich genau die Klimaveränderungen auf die Wirtschaftskreisläufe Europas auswirkten, könnte die historische Forschung noch lange beschäftigen.