Wurden früher häufig Gipsabdrucke von Artefakten gemacht, ist diese Technik aus konservatorischen Gründen heute kaum noch zu vertreten. So hat ein technisches Verfahren, unter anderem angewendet in der Automobilindustrie, seinen Weg in die Archäologie gefunden: Der dreidimensionale Druck. Doch wie viel Original steckt in solch einer Rekonstruktion?

Wenn es in der Wüste stockfinster wird, fängt die Arbeit für die Rekonstrukteure auf der Tempelanlage des Sahure gerade erst an. Ihre Ausrüstung besteht aus einem 3D-Scanner, einem Stativ, diversen Netzteilen und einem Steuercomputer. Der Scanner arbeitet nicht mit einem Laser, sondern mit Halogenlicht.

Lesen Sie hier mehr über den bedeutenden Pyramidenkomplex des Pharaos Sahure © Alina Schadwinkel

Durch einen Projektor wird ein Lichtmuster auf das zu erfassende Objekt projiziert und das Streifenmuster von zwei seitlich versetzten Kameras erfasst. Aus den sich überlagernden Pixeln aus beiden Kameraaufnahmen werden dann 3D-Messpunkte berechnet. Der Abstand der einzelnen Punkte zueinander beträgt dabei gerade mal 0,08 Millimeter. Durch die Kombination mehrerer Aufnahmen können Objekte von wenigen Millimetern Größe bis zu mehreren Metern vermessen werden. Um ein Relief aus Abusir vollständig und in hoher Auflösung zu erfassen, wurden 50 bis 60 Scans pro Objekt gemacht.

Die Punkte werden anschließend in eine Datei geschrieben, um ein virtuelles Modell zu erzeugen. Zunächst gibt es nur eine Punktewolke. Dann startet ein Prozess, bei dem die Punkte zu sehr kleinen Dreiecken verbunden werden: Die Triangulation. Die Dreiecke bilden schließlich die Oberfläche des abgebildeten Objektes. Nun gibt es ein Modell, das für die physische Reproduktion aufbereitet werden kann. Dafür werden die Daten an einen 3D-Drucker weitergeleitet.

Dieser druckt die Sahure-Reliefs zerlegt in 1,5 Zentimeter starken Platten, die anschließend zusammengefügt werden. Mit der schonenden Methode kommt man dem Original relativ nahe. Die Verwitterung der Oberflächen und Kratzer sind klar zu erkennen. Dennoch wird den Betrachtern auch etwas vorenthalten, denn zahlreiche Details, wie jene in den geflochtenen Kartuschenrahmungen und den Haaren der dargestellten Personen, können nicht gedruckt werden. Und den Funden fehlt etwas Weiteres: die Aura einer längst vergangenen Zeit.

Der Wert einer dreidimensionalen Rekonstruktion ist für Thomas Lucker, Geschäftsführer von Restaurierung am Oberbaum in Berlin, dennoch nicht hoch genug einzuschätzen: "Die Stücke leben davon, dass man sieht, wie fein und wundervoll sie gearbeitet sind. Und mit dieser Technik können wir die Funde zahlreichen Menschen zugänglich machen, die ihre Schönheit sonst niemals bewundern könnten."

Die Ausstellung "Sahure – Tod und Leben eines großen Pharao" ist vom 24. Juni bis 28. November 2010 im Liebieghaus, Frankfurt am Main, zu sehen.