Am 28. Januar 1986 um 11.39 Uhr zerbrach eine Illusion. Bei der Katastrophe der Raumfähre Challenger starben alle sieben Besatzungsmitglieder – und mit ihnen der Eindruck, es gebe schon eine Art Linienverkehr ins All, kaum riskanter als die Fahrt mit dem Vorortbus.

Das Medieninteresse war nach 24 Spaceshuttle-Flügen abgeebbt. Als Mission STS-51-L am Himmel über Florida in Rauchwolken endete, sahen vor allem Schulkinder in den USA zu: Die Lehrerin Christa McAuliffe flog als erste Zivilistin ins All, deshalb wurde die Live-Übertragung vom Start in vielen Schulen gezeigt. McAuliffe hätte später zwei Unterrichtsstunden aus dem All halten sollen.

Der Start des zehnten Raumfluges der Challenger war eigentlich für den 22. Januar 1986 vorgesehen. Weil allerdings der vorhergehende Start der Columbia siebenmal verschoben worden war, musste auch die Challenger-Mission nach hinten rücken. Mehrfach wurde der Termin verlegt. Einmal war das Wetter an einem Notlandeort zu schlecht, einmal gab es Probleme mit der Einstiegsluke, einmal zu starken Wind im Kennedy Space Center. Am frühen Nachmittag des 27. Januar sagten die Prognosen für den Folgetag Temperaturen von mehreren Celsiusgraden unter Null voraus – das Limit für eine Starterlaubnis lag bei einem Grad minus. 

Einigen Ingenieuren beim Hersteller der Feststoffraketen, Morton Thiokol, bereitete die Kälte Sorgen. Denn die Raketen zu beiden Seiten des großen Außentanks der Raumfähre bestanden aus mehreren Abschnitten, die zum Teil nicht verschweißt, sondern mit Dichtungsringen miteinander verbunden waren. Die Ingenieure, am bekanntesten wurde Roger Boisjoly, hatten schon im Vorjahr auf die Schwachstelle hingewiesen. Jetzt gaben sie zu bedenken, dass es zu wenige Daten gebe, um zu garantieren, dass die Ringe auch bei Außentemperaturen von weniger als 12 Grad Celsius Druck und Hitze standhalten würden.

Bei einer Telefonkonferenz am Vorabend des Starts setzten sich jedoch die Manager von Morton Thiokol durch, dieder Raumfahrtbehörde Nasa den Start des Shuttles empfahlen. Boisjoly, der die Firma nach der Katastrophe verließ, spricht von "unethischer Entscheidungsfindung als Folge von Einschüchterung durch den Kunden". Offenbar setzten Nasa-Manager immer wieder Partnerfirmen unter Druck und umgingen Sicherheitsbestimmungen, um Zeitpläne einzuhalten.

Die Lufttemperatur am Weltraumbahnhof in Cape Canaveral betrug am Morgen des 28. Januar zwei Grad Celsius. In der Nacht war es weit kälter gewesen, die Startrampe war vereist. Ingenieure von Rockwell International, der Herstellerfirma des Shuttles, forderten einen Abbruch des Countdowns. Doch das Kontrollzentrum der Nasa in Houston verschob den Start nur um eine Stunde, um dem Enteisungsteam mehr Zeit zu geben. Am 28. Januar um 11:38 Uhr Ortszeit hob die Challenger ab.

Der Start der Raumfähre "Challenger" Quelle: YouTube/Shuttlesource.com

73 Sekunden später löste sie sich in von Flammen durchsetzten Wolken auf. Es war keine Explosion, wie die spätere Untersuchung ergab, auch wenn es so aussah. Vielmehr versagte, wie befürchtet, ein Dichtungsring an der rechten Feststoffrakete. Eine Flamme trat aus und zerfraß wie ein Schneidbrenner Halterungen der Rakete, so dass der Metallzylinder ins Schlingern geriet und mit dem externen Treibstofftank kollidierte. Austretender Wasserstoff entzündete sich. Die vier Hauptteile des Shuttles – zwei Feststoffraketen, Treibstofftank und Raumfähre – flogen auseinander und wurden bei ihren hohen Geschwindigkeiten von den aerodynamischen Kräften zerrissen.