Fossilien wie zum Beispiel Versteinerungen oder Knochen sind für Paläontologen der Schlüssel zur Vergangenheit. Skelett-Reste können einiges über das Leben der längst ausgestorbenen Saurier verraten: Waren sie groß oder klein, zwei- oder vierbeinig, Fleischfresser oder Vegetarier ? Doch was ist mit den Spuren, die in den vergangenen Jahrmillionen verschwunden sind: die schuppige Haut, das Gefieder, die Weichteile, die Augen? Auf diese können die Forscher teils nur indirekte Rückschlüsse ziehen.

Wie das funktioniert, zeigen Lars Schmitz und Ryosuke Motani von der Universität von Kalifornien . Sie verglichen die Augenhöhlen und -knochen von Saurierfossilen mit denen heute lebender Tiere. Das Ergebnis: Saurier konnten im Dämmerlicht sehen und manche von ihnen waren nachtaktiv. "Das widerspricht der bisherigen Annahme, dass die Urzeitwesen tagaktiv waren und nur Säugetiere nachtaktiv", sagt der Geologe und Paläontologe Schmitz . Ihre Studie haben die beiden Forscher im Wissenschaftsjournal Science veröffentlicht .

Schmitz und sein Kollege untersuchten die Augenstrukturen von heute lebenden Säugetieren, Reptilien und Vögeln. Tiere, von denen sie wussten, dass sie tages- oder nachtaktiv leben, oder bei denen sich der Tagesrhythmus variabel nach dem Nahrungsangebot richtet. Im Laufe der Evolution haben sich die Sehapparate der Tiere an die Lichtverhältnisse angepasst, in denen sie bevorzugt leben. Entsprechend unterschiedlich sehen die Augen aus.

"Wir mussten die geeigneten morphologischen Merkmale finden, besondere Knochenstrukturen und -formen, die etwas über das Verhalten von Sauriern aussagen", erklärt Schmitz. "Das Auge ist der richtige Kandidat dafür." Viele Wirbeltiere, darunter Vögel, Echsen, aber auch Dinosaurier und Flugsaurier haben einen Skleralring im Auge. Dieser ist eine runde Verstärkung aus mehreren Knochenplättchen zwischen Iris und Linse. Anhand des Skleralrings können die Paläontologen den maximalen Pupillendurchmesser bestimmen. Und je größer die Öffnung, desto größer das Sehvermögen im Dunkeln. "Skleralring und Augenhöhle verraten uns sehr viel über Form und optische Funktion des Auges."

Als nächstes schauten sich Schmitz und sein Kollege 33 verschiedene Saurier an, die vor 65 bis 250 Millionen Jahren im Erdzeitalter Mesozoikum lebten. Sie verglichen die Augenmaße der Fossilien mit den vorher gewonnen Daten heute lebender Tiere und leiteten daraus ab, ob ein Saurier eher im Hellen oder Dunkeln unterwegs war. 

Die heute lebenden Tiergruppen weisen interessante Übereinstimmungen zu den Urzeit-Echsen auf. Die kleinen Fleischfresser unter den Sauriern waren vorwiegend nachtaktiv, während die Pflanzenfresser sich nach dem Nahrungsangebot richteten und häufig tag- und nachtaktiv waren. Ähnlich waren die Flieger damals (Pterosaurier) wie heute (Vögel) im Hellen und im Dunkeln unterwegs. "Diese Muster sehen wir sowohl im Mesozoikum als auch unter den Lebewesen heute", sagt der Paläontologe Schmitz.