Stimmt es, dass Coca Cola den Weihnachtsmann erfunden hat? Fast. Santa Claus gab es schon früher, aber in völlig unterschiedlichen Darstellungen: dünn oder dick, groß oder klein, als ernsten Bischof und als leicht gruseligen Gnom. Für eine Anzeige des Unternehmens drückte der Werbezeichner Haddon Sundblom 1931 einem rot gekleideten, weißbärtigen Schmerbauch eine Cola in die Hand. Der gutmütige Geschenkeonkel hatte zwar ohnehin schon begonnen, sich durchzusetzen, aber die Anzeige etablierte ihn endgültig. Coca Cola behauptet, es sei Zufall, dass er die Firmenfarben rot und weiß trägt; Sundblom habe keine Vorgaben bekommen.

So ist das mit Coca Cola: Viele Mythen umgeben das Produkt, und die umfangreiche Werbeabteilung tut alles, um sie im Sinne der Firma aus Atlanta, Georgia zu verbreiten. Mit der Weihnachtskampagne 1931 wollte das Unternehmen den schwachen Winterumsatz beleben und eine neue Kundengruppe erschließen: Kinder. Begonnen hatte Coca Cola nämlich als Medikament für Erwachsene gegen Müdigkeit, Kopfschmerzen und Depressionen.

Ganz am Anfang steckte sogar Alkohol drin. Der Pharmazeut John Stith Pemberton, mit einer Beinverletzung aus dem US-Bürgerkrieg zurückgekehrt, litt unter chronischen Schmerzen. Auf der Suche nach Linderung durchsuchte er, heißt es bei Coca Cola stolz, "die Häfen von Savannah nach der perfekten Mischung aus frischen Zutaten und Gewürzen aus aller Welt".

Dabei entdeckte Pemberton wohl den Vin Mariani, ein 1863 von Angelo Mariani gebrautes Getränk aus Bordeaux-Wein und Extrakten des Koka-Strauchs. Pembertons erstes eigenes Gebräu enthielt Wein, Kolanüsse, die als aphrodisisch geltende Safranmalve Damiana und Koka-Extrakt. Er nannte es French Wine Coca. Weil Atlanta Ende 1885 beschloss, die Prohibition einzuführen, ersetzte Pemberton den Wein durch Zuckersirup. Am 8. Mai 1886 verkaufte Jacob's Pharmacy in Atlanta erstmals den alkoholfreien Pembertonschen Sirup, mit Sodawasser gemischt, für fünf Cent das Glas.

Was drin war? Hoch geheim! Ernest Woodruff, der mit mehreren Investoren 1919 die Coca-Cola-Company übernahm, ließ die angeblich einzige Niederschrift des Original-Rezepts 1925 in einen Banktresor legen und erließ ein ganzes Bündel an Regeln zur Geheimhaltung – um die seine PR-Leute viel Wirbel machten. Angeblich kennen das Rezept immer nur zwei Menschen, jeweils zur Hälfte. Gemeinsam in einem Flugzeug reisen dürfen sie nicht, heißt es. Warum eigentlich, wo doch das Rezept wohlbehalten im Safe liegt und eingesehen werden kann, wenn ein Geheimnisträger abstürzt?

Immer wieder wollten Autoren die wahre Formel entdeckt haben, immer wieder tat Coca Cola sie als falsch ab. Dabei ist gar nicht entscheidend, was im Originalrezept steht, es wurde ohnehin mehrfach verändert. Und eine nachgebaute Coca Cola wäre keine: Nur die Marke zählt.

Namen und Rezept kaufte der Apotheker Asa Griggs Candler 1888 für 2300 US-Dollar, gründete vier Jahre später The Coca Cola Company. Er holte die Cola aus der Apotheke und verkaufte sie als belebendes Erfrischungsgetränk. Ihm zur Seite stand Frank M. Robinson, Pembertons Ex-Buchhalter, der 1885 den schnörkeligen Schriftzug erfunden hatte. Schon 1912 gab Candler die Rekordsumme von einer Million Dollar für Reklame aus.