Es brodelt im China des frühen 20. Jahrhunderts. Die seit 1644 regierende Qing-Dynastie hat das Riesenreich nicht mehr unter Kontrolle. Die mächtigen mafiösen Triaden-Geheimgesellschaften, religiöse Sekten und ethnische Minderheiten machen ihr zu schaffen. Der Drache, die Großmacht Asiens, ist müde geworden: technisch rückständig, politisch isoliert und der kolonialen Gier des Westens schutzlos ausgeliefert.

Europäer, Amerikaner und der alte Erzfeind Japan kontrollieren weite Teile der Industrie, des Bergbaus, der Schifffahrt, der Eisenbahnen. Sogar Deutschland, sonst als Kolonialmacht wenig erfolgreich, sichert sich das Gebiet Kiautschou um die Stadt Tsingtau.

Während des Boxeraufstandes von 1901 – benannt nach einer Rebellengruppe, deren Name als "Fäuste der Gerechtigkeit und Harmonie" übersetzt werden kann – versuchen Rebellen vergeblich, den ausländischen Einfluss abzuschütteln. Ein internationales Expeditionskorps unter deutschem Kommando schlägt den Aufstand brutal nieder. Die de facto regierende Kaiserinwitwe Cixi unterzeichnet das von vielen Chinesen als demütigend empfundene "Boxerprotokoll". Unter anderem muss China sich entschuldigen und Reparationen zahlen.

Sühnebesuch in Deutschland

Prinz Tschün II. muss als Vertreter der Qing sogar nach Deutschland reisen, um sich für den Mord an einem deutschen Diplomaten zu entschuldigen. Auch wenn die chinesische Delegation erreicht, dass er bei seinem Sühnebesuch am 4. September 1901 im Neuen Palais im Park Sanssouci in Potsdam nicht vor Wilhelm II. niederknien muss – das Ansehen des Kaiserhauses ist dahin. Die Qing kommen aus der Mandschurei; viele Han-Chinesen lehnen das Mandschu-Geschlecht ohnehin als Fremdherrschaft ab.

Kaiser Guangxus Versuche einer Reformpolitik kommen zu spät und können die Spannung zwischen Herrschern und dem aufstrebenden nationalen Bürgertum nicht abmildern, das sich zugunsten der Ausländer benachteiligt sieht. Die "Hundert-Tage-Reform" scheitert. Stattdessen lässt Cixi neue Truppen ausbilden und ein Polizeiamt einrichten: Mit dieser Art Reformen gelingt es, die zahllosen Aufstände einzudämmen, die immer wieder aufflackern, 1909 und 1910 sind es Hunderte pro Jahr.

1911 verkauft die Regierung Baurechte für Eisenbahnlinien nach Guangzhou (Kanton) an westliche Investoren. Im April 1911 bricht dort ein bewaffneter Aufstand aus – der trotz sechs Monaten der Vorbereitung nach einem Tag und einer Nacht niedergeschlagen wird. 72 getötete Revolutionäre werden in einem Gemeinschaftsgrab in Huanghuagang ("Gelbe-Blumen-Hügel") bei Guangzhou beigesetzt: die "72 Märtyrer von Huanghuagang". Sun Yat-Sen, einer der wichtigsten Anführer der nationalistischen Rebellen, muss ins Exil.

Dass auch in Wuchang ein Aufstand losbricht, ist kein Zufall: Hier hat die "Neue Armee" eine ihrer Hochburgen, eine 1895 nach der chinesischen Niederlage gegen Japan gegründete moderne Kampftruppe. Wuchang am Jangtse-Fluss, in der Provinz Hubei, ist das Zentrum der chinesischen Militärindustrie. Viele meist junge Offiziere gehören Organisationen wie der Chinesischen Revolutionären Liga, der "Literatur-Gesellschaft" Wen Xue She oder der "Gesellschaft für Gemeinsamen Fortschritt" Gong Jin Hui an. Seit dem Sommer 1911 bereiten sie eine bewaffnete Rebellion vor.