220 Frauen und drei Männer werden festgenommen. Die meisten erhalten kurze Haftstrafen; nur zwanzig Angreiferinnen müssen für zwei Monate ins Gefängnis. Die Aktion scheidet die Gemüter. Friedlich Gesinnte wie Elizabeth Garrett Anderson, die erste britische Ärztin mit Hochschulabschluss, verlassen die WPSU. Emmeline Pankhurst erklärt: "Das Argument der zerbrochenen Fensterscheibe ist das wertvollste Argument in der modernen Politik."

Drei Wochen nach der Scherbenorgie stopft Emily Davison parrafingetränkte Leinenfetzen in drei Briefkästen und zündet sie an. Zwei Tage später setzt Ellen Pitfield in einem Postgebäude einen Korb voller Hobelspäne in Brand. 1913 legt Davison eine Bombe im Haus von Schatzkanzler David Lloyd George und beschädigt es schwer. Noch im selben Jahr stürmt sie beim Derby in Epsom mit einer Flagge der WSPU auf die Rennbahn. Das Pferd König Georges V. überrennt sie. Sie stirbt an einem Schädelbruch.

Im Ersten Weltkrieg übernehmen Frauen Verantwortung

Auf Davisons Tod folgt eine ganze Welle von Brandanschlägen. Die Gefängnisse füllen sich mit Suffragetten. Viele treten in Hungerstreik, werden zwangsernährt. Während die frühen Proteste den Feministinnen noch Sympathien eingebracht haben, spielen die Gewaltakte den Gegnern des Frauenwahlrechts in die Hände: Sie haben immer schon gesagt, Frauen seien zu emotional, zu hysterisch, zu unvernünftig, als dass man ihnen eine Rolle in der Politik geben dürfte. Frauen in Finnland, Norwegen, Dänemark und Island erhalten das Wahlrecht, die Britinnen bleiben ohne Stimme.

Dann führt das rationale Denken der vernünftigen männlichen Machthaber zum Ersten Weltkrieg. Obgleich er den Kampf der WPSU fast vollständig unterbricht, bringt er die Wende: Weil die Männer auf den Schlachtfeldern Europas kämpfen und sterben, übernehmen Frauen Verantwortung.  Nach Kriegsende lassen sie sich nicht mehr entmündigen. In vielen europäischen Staaten erhalten Frauen nun das Wahlrecht, darunter in Österreich, Deutschland und schließlich Großbritannien. Bis 1928 müssen sie hier jedoch warten, bis das Mindestalter fällt. Erst jetzt ist das Ziel der britischen Suffragetten erreicht: die volle Gleichberechtigung beim Wahlrecht.