Bei der Diskussion um den Aufbau der Polizei in der Bundesrepublik betrieben die Kriminalisten erfolgreich politische Lobbyarbeit. Ihr Vorbild für das Bundeskriminalamt war das von den Alliierten zerschlagene Reichskriminalpolizeiamt. Gegen eine mächtige Bundeskriminalpolizei gab es jedoch Vorbehalte. Die Länder sahen ihre Polizeihoheit bedroht und wehrten sich gegen ein Weisungsrecht des Bundeskriminalamts. Um die Widerstände der "kriminalpolizeilichen Föderasten" und "Kantönli-Politiker" (Wehner) zu brechen, warnte der designierte Gründungsdirektor des Bundeskriminalamtes, Geheimrat Max Hagemann, eindringlich vor der steigenden Kriminalität in der Nachkriegsgesellschaft.

Zahlreichen alten Kameraden wurde der Weg ins BKA geebnet

In der Weimarer Republik hatte Hagemann das preußische Landeskriminalamt aufgebaut. Da er im Dritten Reich nicht mehr im Polizeiapparat tätig war, galt er als unbelastet. Hinter dem aus Ruhestand aktivierten Hagemann zogen Paul Dickopf und Rolf Holle die Strippen. Beide waren 1938/39 an der Führerschule der Sicherheitspolizei ausgebildet worden. Söderman lobte Dickopf, der im Zweiten Weltkrieg als Agent für die deutsche Abwehr und später für den amerikanischen Geheimdienst arbeitete, als "Mädchen für alles bei der Planung des Bundeskriminalamtes".

Zu der gewünschten mächtigen Zentralbehörde konnten Dickopf und Holle das Bundeskriminalamt nicht machen. Von dem geschätzten Instrument der polizeilichen Vorbeugungshaft mussten sich die Kriminalisten verabschieden. Doch zahlreichen alten Kameraden konnte das Gespann Dickopf und Holle den Weg zurück in den Polizeidienst ebenen. Darunter waren Führer von Einsatzkommandos, die den Mord an Zivilisten befehligt hatten, wie Theo Saevecke. Er arbeitete für die Sicherungsgruppe, die für den Schutz der Verfassungsorgane zuständig ist. Ende der 1950er Jahre bestand das Führungskorps des BKA fast ausschließlich aus Beamten des nationalsozialistischen SS- und Polizeiapparats. Es brauchte fast sechzig Jahre, bis das Amt dazu bereit war, sich seiner Vergangenheit zu stellen und eine Historikerkommission mit der Aufarbeitung zu betrauen.