Der Beginn des Watergate-Skandals jährt sich am 17. Juni zum vierzigsten Mal. Anlässlich des Jahrestages haben die US-Journalisten Carl Bernstein und Bob Woodward in der  Washington Post eine Analyse des Geschehens aus heutiger Sicht veröffentlicht. Sie hatten damals den Skandal aufgedeckt. Bernstein und Woodward kommen zu dem Ergebnis, dass der Hauptakteur, der damalige amerikanische Präsident Richard Nixon , "bei Weitem schlimmer" war als sie damals dachten.

Am 17. Juni 1972 waren fünf Männer in die Wahlkampfzentrale der Demokratischen Partei im Watergate-Gebäude in Washington eingebrochen, um Abhörwanzen anzubringen. Sie wurden von der Polizei erwischt und verhaftet. Vor allem Dank den Recherchen von Bernstein und Woodward für die Washington Post wurde bekannt, dass die Einbrecher im Auftrag des Weißen Hauses handelten – in dem der Republikaner Nixon die USA führte. Deshalb gilt die Watergate-Affäre auch als ein Musterbeispiel für gelungenen Enthüllungsjournalismus. Zwei Jahre später musste Nixon als Präsident zurücktreten .

Die beiden Journalisten bemängeln, dass es häufig heiße, Nixons Versuche, den Skandal zu vertuschen, seien viel schlimmer als die Tat selbst gewesen. Das stimme aber nicht, eine solche Einschätzung "spielt Ausmaß und Reichweite von Nixons kriminellen Handlungen herunter".

"Dreister Angriff auf das Herz der Demokratie"

Bis heute sind zahlreiche Dokumente publik geworden, zum Beispiel die Abschriften geheimer Tonbänder von Nixon und die Unterlagen von vielen Prozessen gegen seine Helfer. Darin zeichne sich ein erschreckendes Bild ab, analysieren Bernstein und Woodward. Mit der Aktion im Watergate-Gebäude habe Nixon einen "dreisten Angriff aus das Herz der amerikanischen Demokratie" verantwortet.

Der Skandal sei auch ein Sinnbild für eine viel umfassendere Strategie Nixons gegen alle seine politischen Gegner. Politische Sabotage, Einbrüche sowie Abhörmethoden seien "Lebensweise in Nixons Weißem Haus" gewesen, und das schon lange vor Watergate. Der damalige Präsident verfügte über die "Bereitschaft, zum eigenen politischen Vorteil das Gesetz zu missachten" sowie die stetige Suche "nach Schmutz und Geheimnissen bei seinen Gegnern".

Fünf Kriege gegen politische Gegner

So habe er in seiner fünfjährigen Amtszeit fünf sich überschneidende Kriege geführt: Gegen die Anti-Vietnamkriegsbewegung, die Medien, die Demokratische Partei, gegen die Justiz und schließlich auch "gegen die Geschichte selbst".

Gegen Vietnamkriegsgegner habe Nixon bereits 1970 illegale Mittel einsetzen lassen. Dazu gehörten neben der Telefonüberwachung und dem Abfangen von Briefen auch Einbrüche in Wohnungen von Aktivisten. Der Präsident verfügte, dass FBI , CIA und Militärgeheimdienst solcherart vorgehen dürften, wenn Menschen als "heimisches Sicherheitsrisiko" eingestuft worden seien, schreiben Bernstein und Woodward.

Einbruch beim Psychiater

Um gegen Journalisten agieren zu können, sei ein Einbruch-Team aus ehemaligen Agenten gegründet worden, das von John Ehrlichman, dem damaligen Berater des Weißen Hauses, geleitet worden sei. Das Team hätte zum Beispiel die Aufgabe gehabt, die Reputation des Presse-Informanten Daniel Ellsberg zu zerstören. Dieser hatte die sogenannten Pentagon Papers über den Vietnamkrieg Journalisten zugespielt. Um etwas Belastendes gegen ihn zu finden, wären die Agenten etwa bei seinem Psychiater eingebrochen.

Der illegale Kampf Nixons gegen die demokratische Partei werde schon deutlich durch den Watergate-Skandal selbst, schreiben Bernstein und Woodward. Es habe aber mindestens 50 ähnliche Aktionen gegeben.

Mit dem "Krieg gegen die Justiz" meinen die beiden Autoren vor allem die Versuche, die FBI-Ermittlungen zum Watergate-Fall mit Bestechung und Druck zu behindern. Schließlich der "Krieg gegen die Geschichte": Damit betiteln die beiden Journalisten die Bemühungen Nixons, nach seinem Rücktritt seine Rolle im Watergate-Skandal herunterzuspielen. Bis zu seinem Tod 1994 habe er unermüdlich versucht, die Geschichtsschreibung zu seinen Gunsten zu beeinflussen.