Ein Auto, ein paar Dutzend Euro und 15 Minuten Zeit, mehr braucht es heutzutage nicht, um von der einen Seite des höchsten Alpenmassivs auf die andere zu kommen. Möglich macht es der 11,6 Kilometer lange Montblanc-Tunnel. Vor 50 Jahren wurden für die Verbindungsröhre die letzten Meter Fels weggesprengt. Rund 3.000 Meter unter den mächtigsten Bergspitzen Europas trafen Arbeiter aus Italien und Frankreich aufeinander und feierten den Durchbruch für den damals längsten Straßentunnel der Welt. Sie konnten nicht wissen, dass ihr gigantisches Bauwerk auch viel Leid bringen würde.

Nach seiner Eröffnung rund drei Jahre nach dem Durchstich am 14. August 1962 galt der Montblanc-Tunnel aber erst einmal jahrelang als große Attraktion. Die Röhre zwischen Chamonix auf der französischen und dem Aosta-Tal auf der italienischen Seite war nicht nur die bislang größte ihrer Art. Sie verkürzte auch um Dutzende Kilometer die Fahrtstrecke und die Reisezeit zwischen Städten wie Genf und Mailand.

Statt Serpentinen und großer Höhenunterschiede gibt es im Berg gerade einmal 2,5 Prozent Steigung zu bewältigen. Im Jahr 2011 passierten im Schnitt 3.409 Autos und Motorräder pro Tag den Tunnel. Hinzu kamen 44 Busse und 1.660 Lastwagen – bei einer Fahrtzeit von lediglich einer Viertelstunde. Anfang des vergangenen Jahrhunderts mussten noch drei Tage eingeplant werden, um das Montblanc-Massiv zu überqueren.