Bereits am Wochenende waren die Bagger angerückt. Sie rissen in El Paraíso, Peru, eine rund 4.000 Jahre alte Pyramide ein. Das sechs Meter hohe Bauwerk wurde schnell dem Erdboden gleichgemacht. Gegenüber Archäologen behaupteten die Bauunternehmer, sie hätten das Recht dazu, denn das Gelände gehöre ihnen. "Die Arbeiter wollten mit ihren schweren Maschinen noch drei weitere Pyramiden zerstören", sagte der stellvertretende Kulturminister Rafael Varon. Doch Gegner des Abrisses hätten sie davon abgehalten.

Der Vorgang hat nun rechtliche Folgen. Die peruanischen Behörden haben gegen zwei Firmen Strafanzeige erstattet. Ein Sprecher des Kulturministeriums nannte die Unternehmer "skrupellose Land-Dealer". Erst im Mai war es in Belize zu einem ähnlichen Vorfall gekommen. Damals wurde eine rund 2.000 Jahre alte Maya-Pyramide zerstört, weil eine Baufirma Schotter zum Auffüllen einer Straße brauchte.

Laut dem Archäologen Marco Guillen, der eine Ausgrabung in El Paraíso leitet, sei die Zerstörung der Pyramide "ein irreparabler Schaden an der Geschichte Perus". Die Forscher könnten jetzt nicht mehr nachvollziehen, wie und mit welchen Materialen sie gebaut wurde und wie die damalige Gesellschaft die Pyramide genutzt hat.

El Paraíso, die älteste Ausgrabungsstätte Perus, liegt einige Kilometer nördlich der Hauptstadt Lima. Die Gebäude auf dem 50 Hektar großen Gelände sollen bis zu 5.000 Jahre alt sein. Sie zeugen von einer der ersten Kulturen Amerikas. Verschiedene Pyramiden und Plätze sind momentan noch im Sand versteckt. Sie waren vermutlich zur Zeit des Neolithikums in Peru, also zwischen 3.500 und 1.800 vor Christus, von bis zu 3.000 Menschen bewohnt.  

Eine der ältesten religiösen Stätten

Bislang galt die Steinstadt Caral, 200 Kilometer nördlich von El Paraíso gelegen,als Heimat der ersten Zivilisation in Amerika. Sie wurde 2008 entdeckt und ist seit 2009 Weltkulturerbe der Unesco. Bewohnt wurde sie vermutlich ungefähr zwischen 2.600 und 2.000 vor Christus. Das alles geschah also lange vor den Inka, die den Aufbau ihres Imperiums im frühen 13. Jahrhundert nach Christus begannen und unter anderem die berühmte Bergstadt Machu Picchu bauten.

Im Februar hatte Guillens Team in El Paraíso einen Tempel mit Feuerstelle entdeckt, den die Forscher Tempel des Feuers nannten und der zu den ältesten religiösen Stätten der Welt gehören könnte. An den steinernen Wänden befinden sich Reste von gelbem Sand und roter Farbe. Wahrscheinlich verbrannten die Bewohner von El Paraíso dort Fisch, Getreide und Früchte als Opfer für die Götter. "Der Rauch erlaubte es ihnen, sich mit ihren Göttern in Verbindung zu setzen", sagte Guillen. Momentan arbeiten die Archäologen daran, den Rest der Anlage freizulegen und nach weiteren Gebäuden zu suchen.