Zwar gab es schon die Wochenschau im Kino, aber noch nicht die Spezialeffekte, um eine Alien-Armee dort glaubwürdig darzustellen. Das hat im selben Jahr der Spielfilm Flash Gordon's Trip to Mars gezeigt. Im Rundfunk dagegen genügte es, die aufgeregten Präsentationsformen der Nachrichtensendungen überzeugend nachzuahmen, die Magie der Sprache.

Berichte in zeitgenössischen Blättern über scharenweise aus ihren Häusern fliehende US-Amerikaner und Kanadier dürften trotzdem überzogen sein. Denn die Aufregung der Zeitungsredakteure folgt dem eigenem Interesse: Sie fürchten die Konkurrenz des jungen Mediums Radio, mit dem sie sich einen Wettlauf um immer buntere, blutigere, sensationellere Stories liefern.

Im November erschienen mehr als 12.000 Zeitungsartikel über die Radiosendung und ihre angeblichen Auswirkungen. "Radio Fake Scares Nation", Radio-Fälschung erschreckt die Nation, schrieb etwa der Herald Examiner. Dabei beschränkten sich besorgte Anrufe bei Behörden und Sendern weitgehend auf den Nordosten der USA, wo die Aliens angeblich gelandet waren. Für die Zeitungen aber ist Concrete, wo ein Kurzschluss im Umspannwerk der Zementfabrik die Panik unter den wenigen Hundert Einwohnern zusätzlich schürte, überall.

Welles und der Sender CBS profitieren trotz der publizistischen Prügel von ihrem Halloween-Streich. Die Suppenfirma Campbell steigt als Sponsor der CBS-Hörspielreihe ein. Und der bisher vor allem als Theaterregisseur tätige Welles sucht sich aus den vielen Hollywood-Angeboten aus, was ihm die größte Freiheit lässt: Er dreht Citizen Kane über den Boulevard-Verleger William Randolph Hearst – und prägt damit nicht nur die Radio-, sondern auch die Filmgeschichte nachhaltig.

Orson Welles' Originalhörspiel "War of the Worlds" lässt sich auch direkt auf der Seite des Internet Archive anhören.