Frank Duggan ist überzeugt, dass er weiß, wer hinter dem Anschlag auf Pan-Am-Flug Nummer 103 über Schottland steckte: "Es war Libyen. Es gibt nicht den Fetzen eines Beweises, dass es der Iran oder jemand anders war", sagt er im Gespräch mit ZEIT ONLINE. Der Exanwalt leitet die Organisation Victims of Pan Am Flight 103, in der sich vor allem US-Angehörige von Opfern des Attentats vor 25 Jahren zusammengeschlossen haben.

Der Arzt Jim Swire, dessen Tochter Flora auf Flug 103 starb, sieht das anders. Er glaubt nicht an die Schuld des libyschen Geheimagenten Abdelbaset Ali Megrahi, der als "Lockerbie-Bomber" verurteilt wurde. Swire engagiert sich im Komitee Gerechtigkeit für Megrahi, hat als Sprecher einer britischen Opfer-Organisation hat er den Verurteilten mehrmals getroffen.

Dass Libyen 2003 die Verantwortung für das Attentat übernahm und jeder Opferfamilie acht Millionen US-Dollar Entschädigung zahlte, ist für Swire die Folge einer Erpressung, eines Komplotts. "Die schottischen Anklagebehörden mauern bis heute", sagt er. Sie wollten nicht eingestehen, dass Ermittler dem Gericht Informationen vorenthalten hätten. Schottland müsse "den Mut haben, sich im Spiegel anzusehen".

Der Heimflug zu Weihnachten endete tödlich

Die Boeing 747 Clipper Maid of the Seas, die am 21. Dezember 1988 am Londoner Flughafen Heathrow abhob, kam aus Frankfurt am Main. Nach New York sollte sie Detroit ansteuern. Die meisten Passagiere waren US-Amerikaner, die in der Heimat Weihnachten feiern wollten.

Über Lockerbie riss ein Sprengsatz im Laderaum ein Loch in den Rumpf und zerfetzte die Kabel der Steuerung. Die Maschine stürzte ab, brach noch in der Luft auseinander. Zeit für ein Notsignal hatte niemand. Alle 243 Passagiere und 16 Besatzungsmitglieder starben. Als die Tanks aufschlugen, explodierten Zehntausende Liter Kerosin. Mehrere Häuser in der Kleinstadt wurden zerstört. Ein 47 Meter tiefer Krater blieb zurück. Feuerball und Trümmerteile töteten am Boden elf weitere Menschen.

Die Ermittlungen übernahm die örtliche Polizeibehörde Dumfries and Galloway Constabulary – die kleinste in ganz Großbritannien, immerhin unterstützt von der US-Bundespolizei FBI. Das Ergebnis der Vernehmung von Tausenden Zeugen, Untersuchung Zehntausender Spuren: Gut 300 Gramm des Plastiksprengstoffs Semtex, versteckt in einem Radiorekorder, sollen in einem Samsonite-Koffer an Bord geschmuggelt worden sein, der in Malta aufgegeben worden war.

Ein Platinen-Fragment von der Absturzstelle wurde als Teil eines Zeitzünders einer Schweizer Firma identifiziert, wie er im Februar 1988 bei festgenommenen libyschen Geheimagenten gefunden worden war. Die Firma bestätigte, solche Zünder nach Libyen geliefert zu haben. Dessen Diktator Muammar al-Gaddafi unterstützte seit Jahren den internationalen Terrorismus.

Vermutlich sollte der Zünder die Bombe über dem Meer detonieren lassen, um alle Indizien zu zerstören. Weil das Flugzeug verspätet startete, war es noch über Land, als das Semtex hochging. So fanden die Ermittler Kleidung, die im Koffer gelegen haben soll und in Malta hergestellt wurde. Ein maltesischer Händler sagte aus, sie verkauft zu haben. Vor Gericht identifizierte er Megrahi als Käufer – allerdings erst, nachdem er auf ihn hingewiesen worden war.

Megrahi war der perfekte Täter

Am 13. November 1991 erging Anklage gegen Megrahi und Lamin Khalifah Fhimah, Standortchef der Libyan Arab Airlines (LAA) am Flughafen Malta. Zunächst lieferte Gaddafi sie nicht aus; Sanktionen zwangen ihn 1999 dazu. Eine Bedingung war, dass der Prozess zwar nach schottischem Recht, aber an einem neutralen Ort stattfinden sollte. Die Wahl fiel auf die Militärbasis Kamp Zeist bei Utrecht in den Niederlanden.

Die Angeklagten schwiegen. Megrahi wurde im Januar 2001 wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt, Fhimah freigesprochen – dabei basierte die Anklage eigentlich auf ihrer angeblichen Komplizenschaft. Ein Berufungsantrag wurde abgelehnt.