Karl der Große war für seine Zeit wohl ein überdurchschnittlich großer Mann. Der Schweizer Wissenschaftler Frank Rühli kommt nach einer Knochenanalyse zu dem Schluss, dass Karl 1,84 Meter groß gewesen sein muss – im Schnitt wurden Männer damals gerade einmal 1,69 Meter groß. Nach heutigen Maßstäben entspräche Karls Größe etwa 1,95 Meter, sagte Rühli bei der Vorstellung der Untersuchungsergebnisse in Aachen.

Mit "grob berechneten" 78 Kilogramm und einem Body Mass Index von 22 habe Karl eine schlanke Statur gehabt. "Karl war kein Hüne, sondern ein Schlanker", so Rühli. Die rekonstruierte Größe helfe in der Frage, wie der Frankenherrscher damals gesehen wurde: "War es seine körperliche Größe oder seine politische Größe?", fragte Rühli. Es könne angenommen werden, dass seine Statur dazu beigetragen hat, dass der Herrscher eine so überragende Wahrnehmung erlangte.

Rühli und seine Kollegen des Swiss Mummy Project an der Universität Zürich hatten im Jahr 2010 den linken Schienbeinknochen von Karl mittels Computertomographie, Magnetresonanz und makroskopisch untersucht. Krankhafte Auffälligkeiten an dem Knochen haben sie nicht entdeckt. Als Todesursache werde eine Lungenentzündung angenommen. "Aber das sieht man nicht an dem Knochen", sagte Rühli.    

Bislang nur historische Beschreibungen über Karls Statur

Die Forschungsergebnisse zu den Gebeinen wurden zum ersten Mal öffentlich vorgestellt. Der Vortrag war Teil des Jubiläumsprogramms zum 1200. Todestag Karls des Großen. Er starb am 28. Januar 814 in Aachen.

Bislang war Karls Statur nur aus historischen Beschreibungen bekannt. Sein Freund und Biograf Einhard bezeichnete ihn als "große und starke Person". Solche Beschreibungen könnten aber unter dem Eindruck von Karls Macht und politischer Größe verzerrt sein, schreiben die Forscher in ihrer Studie.