Unermüdlich gräbt sich die Schaufel durch das feuchte Erdreich. Die anliegenden Wälder wachen langsam auf, Nebel liegt über den Gewässern. Es ist ein trüber Samstagmorgen im saarländischen Dillingen, verregnet und ungewöhnlich mild für die ersten Dezembertage.

Uwe Benkel steht mit durchnässter Jeans und einer Metallsonde am Grubenrand und gibt dem Baggerfahrer Anweisungen. Plötzlich stößt der Suchtrupp auf einen harten Gegenstand: Überreste einer Phosphor-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg, die nach Kontakt mit der Luft sofort zu qualmen beginnt. Die Morgenmüdigkeit ist verflogen, Nervenkitzel und Abenteuerlust erhellen die Gesichter. Josef Arweiler winkt ab: "Dort werdet ihr nichts finden. Der Flieger ist 500 Meter entfernt von hier abgestürzt, direkt am Saarufer."

Arweiler ist der einzige Augenzeuge, der sich zur heutigen Grabung eingefunden hat. Als 13-Jähriger hat er den Absturz des amerikanischen Kampffliegers beobachtet, nach dem hier gesucht wird: "Die Maschine ist knapp über den Bunker in der Mittelstraße hinweggedonnert und schlug 200 Meter entfernt am Flussufer auf, dort, wo heute der Ökosee ist. Danach sah man nur noch einen riesigen Feuerball." Bei dem Wort "Feuerball" bricht plötzlich die Erinnerung aus ihm hervor: Er reißt die Augen weit auf und gestikuliert mit den Armen. Kurz darauf verkriecht er sich wieder in seinen dicken Wollmantel und zieht sich die Ohrenfellmütze über das zerfurchte Gesicht.

Nachdem die erste Grabung erfolglos geblieben ist und die Überreste der Phosphor-Bombe entfernt wurden, lässt sich Uwe Benkel von Arweiler die vermeintliche Absturzstelle zeigen. Benkel leitet die ehrenamtliche Arbeitsgruppe Vermisstenforschung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, vermisste Kampfpiloten aus dem Zweiten Weltkrieg zu bergen. In Dillingen gräbt er nach dem amerikanischen Soldaten James G. Newman, der am 20. November 1944 abgeschossen, aber nie gefunden wurde. "Schon die Amerikaner haben mit einer Sondereinheit nach ihm gesucht", berichtet Benkel, während der Bagger zur zweiten Grabung anrollt. Doch auch diesmal haben sie kein Glück. Der Bagger schüttet das Erdloch wieder zu. Benkel und sein Team machen sich ermüdet auf den Heimweg.

Zu Hause wartet schon der nächste Fall: die Suche nach dem "Blies-Bomber", einem Kampfflieger aus dem Zweiten Weltkrieg, der in den Badeweiher Große Blies in Ludwigshafen gestürzt sein soll. Im vorigen Sommer hat Benkel mit der Suche begonnen. Ein paar Wochen zuvor hatte ein Mann den Hinweis geliefert, dass er in den 1950er Jahren das Ende einer Tragfläche gesehen habe, die bei Niedrigwasser leicht aus dem Wasser ragte. Ein weiterer Anrufer berichtete von Schauergeschichten über die Toten im See, vor denen ihn seine Großmutter gewarnt habe. "Wenn die Lokalpresse über unsere Projekte berichtet, melden sich abermals Zeugen, die wichtige Hinweise liefern können", erklärt Benkel. 

Mysteriöser Fund eines Schädels

So habe er vor ein paar Wochen einen Anruf von einem Mann bekommen, der vor rund 20 Jahren einen Schädel aus der Großen Blies gefischt haben will. Der Anrufer habe damals den Besitzer des Anglersportvereins informiert, wisse jedoch nicht, was aus dem Schädel geworden sei, den er am Ufer liegen gelassen hatte. Auch ein ehemaliger Mitarbeiter des Stadtarchivs Ludwigshafen habe sich bei Benkel gemeldet: "Angeblich wurden die Erkennungsmarken der Soldaten vor Jahrzehnten im Stadtarchiv oder im Stadtmuseum abgegeben, nur dass dort niemand etwas davon weiß."

In der Großen Blies hat Benkel ein handtellergroßes Metallstück und Holzsplitter gefunden, die auf einen britischen Jagdbomber des Typs Mosquito schließen lassen: "In keinem anderen Flugzeug ist seinerzeit Holz verarbeitet worden. Demnach müssen sich zwei Besatzungsmitglieder an Bord befunden haben: der Pilot und ein Funker." Viel mehr kann er jetzt nicht sagen, weil die Stadtverwaltung Ludwigshafen ihn nach vier Tauchgängen mehr als fünf Wochen auf die nächste Tauchgenehmigung warten ließ. Inzwischen sei es aber zu kalt zum Tauchen, daher werde er die Suche erst im Frühjahr fortsetzen.