Der früheste Vorläufer der Tagesschau zeigt ein boxendes Känguru. Es verteilt Ohrfeigen an einen gewissen Mr. Delaware. Weil das drollige Tier und der Mann im Ringeltrikot nicht eigens für die Kamera inszeniert wurden, können sie als eines der ersten journalistischen Formate in bewegten Bildern gelten. Die Brüder Max und Emil Skladanowsky zeigten das Duo 1895 als Teil ihres Filmprogramms im Berliner Varieté Wintergarten. Es war die erste regelmäßige kommerzielle Kinovorstellung der Geschichte.

Aufnahmen von exotischen Tieren, fremden Städten, Ländern und Bräuchen, von Militärparaden und Staatsoberhäuptern spielten in den Programmen der Filmvorführer von Anfang an eine große Rolle. Solche "Aktualitäten" standen bald zu "Journalen" zusammengefasst am Beginn der Vorführungen. Das französische Pathé-Journal erschien 1908 zum ersten Mal und fand bald Nachahmer wie die Gaumont-Actualités und das Eclair-Journal. Bald waren die Filme auch in Deutschland zu sehen.

Eine neue Form medialer Öffentlichkeit entwickelte sich: die Illusion der neutralen Abbildung. Kein "Korrespondent" einer Zeitung beschrieb subjektiv Ereignisse, sondern ein "Operateur" an der Kamera reproduzierte vermeintlich objektiv die Realität. Noch mehr als Fotografien, die zur selben Zeit in Zeitungen gezeichnete Bilderbögen ablösten, suggerierten die Filme Authentizität.

Die erste regelmäßige deutsche Kino-Wochenschau wurde die am 27. März 1914 gestartete Eiko-Woche. Die "lebende Berichterstattung des Berliner Lokal-Anzeigers" aus dem Scherl-Verlag konnte sich gegen die etablierten französischen Formate aus eigener Kraft kaum durchsetzen. Doch die Herrschenden erkannten schnell die Meinungsmacht des Mediums, und als im Sommer vor 100 Jahren der Erste Weltkrieg begann, wurden die Erzeugnisse aus dem Feindesland verboten.

Wochenschauen machten den Weltkrieg zum Medienkrieg

Dutzende Firmen bewarben sich um die Erlaubnis, im Kriegsgebiet filmen zu dürfen. Wer berichten wollte, musste "rein deutsch sein und unter patriotisch gesinnter deutscher Leitung stehen", es durfte ausschließlich "deutsche Aufnahmeapparaturen, deutsche Fabrikationseinrichtungen und deutsches Filmmaterial" verwendet werden.

Konkurrenten der Eiko-Woche wie Hubertus-Kriegswoche, Nordisk authentische Weltkriegsberichte oder Kinokop-Woche etablierten sich nicht recht. Dauerhafte Verbreitung fand neben der Eiko-Woche lediglich die im Oktober 1914 gestartete Messter-Woche des Kinobetreibers Oskar Messter. Der Monarchist unterhielt gute Kontakte zum Kaiserhaus und zur Militärführung.

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Eiko- und Messter-Woche gehörten zu den ersten Kriegsgewinnlern. Die Zahl der Kinos stieg ebenso wie die der Besucher. Auch wegen der Wochenschauen: Das Kaiserreich zog begeistert in den Krieg, die daheim Gebliebenen wollten wenigstens die Illusion haben, sie wären dabei.

Der Erste Weltkrieg sei auch wegen der Wochenschauen der erste Medienkrieg gewesen, schreibt der Erziehungswissenschaftler Bernd Kleinhans: "Das Ausmaß an Menschenverlusten, Zerstörungen und der Komplexität des politischen Geschehens erforderte neue Deutungen." Die Front war weit weg und unübersichtlich. Die Wochenschauen waren ein Versuch, das Geschehene zu interpretieren – allerdings noch ohne Ton, nur in Zwischentiteln kommentiert.