Im Lüneburger Auschwitz-Prozess hat der angeklagte frühere SS-Mann einen regelmäßigen Dienst bei der Selektion eintreffender Juden in dem Konzentrationslager verneint. An der Rampe in Auschwitz-Birkenau sei er in der fraglichen Zeit nur dreimal im Einsatz gewesen, sagte Oskar Gröning vor dem Landgericht Lüneburg. 

Zu Prozessbeginn am Vortag hatte der 93-Jährige sich zu seiner moralischen Mitschuld bekannt. Die Anklage wirft ihm Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen vor. Gröning gestand, im KZ geholfen zu haben, Geld der Häftlinge einzusammeln und an die SS weiterzuleiten. Die Anklage wirft ihm vor, so dem NS-Regime wirtschaftliche Vorteile verschafft und das systematische Töten unterstützt zu haben.

Die Anklageschrift wurde aus rechtlichen Gründen auf die sogenannte Ungarn-Aktion im Sommer 1944 beschränkt. Damals waren 137 Eisenbahntransporte mit etwa 425.000 Menschen in Auschwitz-Birkenau eingetroffen. Mindestens 300.000 von ihnen wurden dort getötet.

Sollte Gröning verurteilt und für haftfähig erklärt werden, erwartet ihn eine Haftstrafe von mindestens drei Jahren. Unter den mehr als 60 Nebenklägern sind Holocaustüberlebende und Angehörige von Opfern. Es gehe ihnen um eine späte Gerechtigkeit, nicht um Rache oder eine hohe Strafe, hatten Auschwitz-Überlebende vor Beginn des Prozesses gesagt.

Für den Prozess sind 27 Verhandlungstage bis Ende Juli angesetzt.