Dieser edle Hals, diese strammen Beine, dieser wohlgeformte Rücken – es kann sich nur um einen handeln, den Brontosaurus. Der pflanzenfressende Dinosaurier aus dem Oberjura hat seinen Namen zurück. Mehr als ein Jahrhundert galt es als wissenschaftlich korrekt, ihn Apatosaurus zu rufen. Nun steht fest: Bei der Ikone der Dino-Welt handelt es sich definitiv um eine eigene Gattung (Tschopp et al., 2015).

Doch zurück zum Anfang der Geschichte und hinein in die verworrenen Pfade wissenschaftlicher Namenskunde. In den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts entdeckte der amerikanische Paläontologe Othniel Charles Marsh die ersten entscheidenden Fossilien. Im Westen der USA stieß er auf zwei riesige Teilskelette von langhalsigen Dinosauriern. Nach genauer Betrachtung taufte er das erste "trügerische Echse", Apatosaurus ajax. Die Tiere sollen eine Länge von bis zu 26 Metern erreicht und zwischen 30 und 35 Tonnen gewogen haben, beide lebten zu einer Zeit vor 154 bis 150 Millionen Jahren.

Das zweite Skelett aber unterschied sich seiner Ansicht nach so auffällig vom anderen in Form und Struktur, dass Marsh die Knochen einer eigenen Gattung zuschrieb. Der Brontosaurus excelsus, die "Donnerechse", war geboren (Marsh, 1884). Er sollte nur wenige Jahre leben.

Riese der Urzeit starb gleich zweimal aus

Kurz nach Marsh's Tod stieß ein anderes Forscherteam auf ein Skelett, das sowohl Apatosaurus ajax als auch Brontosaurus excelsus ähnelte. Streng genommen präsentierten sich die Knochen als das perfekte Mittel zwischen beiden Dinos. Die Folge: Brontosaurus ging namentlich in Apatosaurus auf und hieß fortan Apatosaurus excelsus. Gemäß den Regeln des International Code of Zoological Nomenclature ist der ältere Name der gültige. Ein Riese der Urzeit war damit zum zweiten Mal ausgestorben, zumindest auf dem Papier.

Nun aber gibt es einen neuen Eintrag. Das Team um den Paläontologen Emanuel Tschopp der Universidade Nova de Lisboa in Portugal hat Hunderte bestehende Daten erneut gesichtet und kommt im Journal PeerJauf 300 Seiten zu der Erkenntnis: Die Donnerechse ist zurück.

"Bis vor Kurzem war es absolut naheliegend, Brontosaurus und Apatosaurus als eins zu betrachten", sagt Tschopp. Zahlreiche neue Dinosaurierfunde aus den letzten Jahren aber hätten es ermöglicht, die feinen Abweichungen unter den Skeletten in einen größeren Kontext einzuordnen und damit neu zu bewerten.

Knochen unter anderem aus den USA, Tansania, Portugal und Argentinien sowie Spanien und England gehören nach jetzigem Stand zu 12 bis 15 unterschiedlichen Spezies. Sie alle unterstehen demnach der Familie der Diplodocidae, zu der auch die beiden Streit-Urzeitechsen gehören. Und sie alle verdanken ihre Namen charakteristischen Merkmalen. Da sind Schädel schmaler, Wirbel flacher als andere und Rippen besitzen unterschiedliche Vertiefungen, um nur einige Beispiele zu nennen.

In äußerst detaillierten Analysen flossen 477 solcher Merkmale in die Berechnungen von Tschopp und Kollegen ein. Am Computer verglichen sie mithilfe statistischer Methoden die Entwicklung der Spezies – wer prägte was wann aus, wer also könnte aus wem hervorgegangen sein, ist ein entfernter Cousin oder gehört doch zu einem ganz anderen Dinosaurier-Clan?

Das Überraschende: "Die Ungleichheiten zwischen Brontosaurus und Apatosaurus waren ebenso zahlreich wie jene zwischen anderen nah verwandten Gattungen. Und weit mehr als man normalerweise zwischen Spezies finden würde", sagt Roger Benson, Mitautor der Studie und Paläontologe an der University of Oxford. Demnach sei es nicht gerechtfertigt, dem Brontosaurus seine einstige Existenz abzusprechen.

Nebenher korrigierten die Forscher noch so manch andere Ungenauigkeit. Laut der Analyse gehören die Überreste eines angeblichen Deploducus hayi zu einer eigenen Gattung, sie solle von nun an Galeamopisheißen. Wohingegen Dinheirosaurus aus dem Späten Jura, gefunden in Portugal, mit dem Supersaurus aus den USA verschmilzt. Die Welt ist damit um einige ehemalige Bewohner reicher – hat aber zugleich lieb gewonnene wieder verloren. Mal sehen, für wie lange.