Eine Gruppe vogelähnlicher Saurier hat farbenprächtigen Zuwachs bekommen: Chinesische Forscher entdeckten gut erhaltene Überreste eines gefiederten Dinosauriers in der Provinz Jiangxi im Süden des Landes (Lü et al., 2015). Die bisher unbekannte Art ähnele am ehesten der Gruppe der Oviraptorosauria, schreibt das Team in den Scientific Reports. Die Tiere hatten oft proportional kleine Schädel mit zahnlosem Schnabel, manche einen Knochenkamm auf dem Haupt.

Das nun geborgene Exemplar verfügt über solch auffälligen Kopf-Auswuchs und weitere charakteristische Merkmale. Entsprechend ausgetobt hat sich der Illustrator: Seine farbintensive Zeichnung zeigt einen etwa Gans-großen Saurier mit muskulösen Beinen, orange-gelb gefiedertem Schwanz, einem dunkelgrauen Federkleid und gefleckten Flügeln. In der Simulation schimmern Hals und Knochenkamm pfauenblau. Insgesamt wirkt der Oviraptoride wie ein bizarrer Mix aus unterschiedlichen Ur-Viechern. Die Forscher um den Paläontologen Junchang Lü von der Chinesischen Akademie der Geowissenschaften tauften ihn Huanansaurus ganzhouensis, benannt nach der Fundstelle.

Nahezu der komplette Schädel, sieben Halswirbel, Teile der beiden Flügelarme sowie der Beine wurden bei Erdarbeiten für einen neuen Bahnhof in der südchinesischen Stadt Ganzhou entdeckt. Eine Analyse ergab, dass das Fossil über Merkmale verfügt, die es rechtfertigen, von einer eigenen Art zu sprechen. Am ehesten sei das Exemplar mit Citipati osmolskae verwandt, schreiben die Autoren der Studie, einer Oviraptorosauria-Art, die in der südlichen Mongolei entdeckt wurde. Die Ähnlichkeiten zwischen den beiden Arten, die 3.000 Kilometer trennten, sprächen dafür, dass zu jener Zeit vergleichbare Lebensbedingungen in diesen Regionen Asiens herrschten und dass die Gruppe der Oviraptorosauria weit verbreitet und vielfältig war.

Mancher Oviraptorosauria war nur so groß wie ein Truthahn

Die gefiederten, aber flugunfähigen Dinos lebten in der Kreidezeit vor 145 bis 66 Millionen Jahren. Manche waren so groß wie Truthähne, andere bis zu acht Meter lang. Forscher hatten ihre Fossilien vor allem in Ostasien und Nordamerika gefunden. Die meisten wurden dabei im Gebiet um Ganzhou entdeckt. Deshalb gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die Diversität der Oviraptorosauria in dieser Region am größten war. Eine weitere zentrale Fossilienstätte befindet sich in der Mongolei, nördlich von China. Von dort stammt etwa auch das gut erhaltene Exemplar, dessen Abguss im Frankfurter Naturmuseum Senckenberg zu sehen ist.

Unklar ist noch, ob die vogelähnlichen Saurier Alles- oder Pflanzenfresser waren. Lange Zeit ging man davon aus, dass es sich um Eierdiebe handelt, wovon sich der lateinische Name der Oviraptorosauria ableitet. Ein Irrtum. Ursache war der Fundort des ersten Mitglieds der Gruppe, der sich unmittelbar neben einer Anhäufung fossiler Eier befand. Daraus wurde geschlossen, dass der Saurier seinen Schnabel nutzte, um die Eier anderer Tiere zu knacken. Tatsächlich aber handelte es sich bei dem versteinerten Gelege um Eier mit den Embryonen kleiner Oviraptorosauria.