"Großartige Nachrichten: Wir haben die Galeone San José gefunden! Morgen werde ich bei einer Pressekonferenz aus Cartagena die Details bekannt geben", hatte Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos am Freitag getwittert. Laut dem Staatsoberhaupt ist "ohne Zweifel" klar, dass das Schiff vor der Küste Kolumbiens liegt. Die Frage ist nun, wer sich über den Sensationsfund freuen kann: Denn inzwischen ist ein Streit darum entbrannt, wem die Schätze an Bord des Wracks gehören.

Auf der Pressekonferenz zeigte Präsident Santos Ultraschallaufnahmen, auf denen für das Schiff angefertigte Kanonen aus Bronze sowie Waffen, Keramik und Edelsteine zu sehen sind. Wie viel die Fracht der San José tatsächlich wert ist, dürfte erst nach vollständiger Bergung klar sein. Die Schätzungen reichen von drei bis zu 17 Milliarden US-Dollar.

Das spanische Segelschiff San José war im Juni 1708 vor der Karibikinsel Rosario gesunken, nachdem ein englischer Flottenverband es angegriffen hatte. Die Galeone war beladen mit Goldmünzen und Edelsteinen, die aus den amerikanischen Kolonien nach Spanien gebracht werden sollten.

Bereits vor mehr als 30 Jahren hatte erstmals das US-amerikanische Suchunternehmen Sea Search Armada (SSA) behauptet, die unter Schatzsuchern legendäre San José gefunden zu haben. Nun teilte die Firma durch ihren Anwalt Danilo Denis mit, sie verlange die Hälfte des Gewinns und beruft sich dabei auf ein Urteil des Obersten Gerichtshofes von Kolumbien aus dem Jahr 2007. Damals hatte das Gericht entschieden, der Schatz sei mit dem Unternehmen zu teilen, da er nicht zum kolumbianischen Kulturerbe zähle.

Laut dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel hatte der Staat Kolumbien 1979 eine private Firma mit der Suche nach der Galeone beauftragt. Als sie drei Jahre später meldete, sie habe das Wrack gefunden, entbrannte ein Rechtsstreit zwischen dem Auftraggeber Kolumbien und dem Unternehmen, das seine Rechte zwischenzeitlich an die Sea Search Armada abgetreten hatte.

Im Jahr 2011 sprach ein US-Gericht die Rechte am Wrack Kolumbien zu und berief sich dabei auf die Unesco-Konvention zum Schutz des Unterwasserkulturerbes. Nun versucht das Unternehmen den Besitz an sich zu reißen, bevor die Gewässer leergefischt sind.