Archäologen haben im Norden Perus ein Massengrab mit Knochen von mehr als 140 Kindern und 200 jungen Lamas gefunden. Es könnte sich um Überreste des größten Kinderopfer-Rituals der Welt handeln, teilte die US-amerikanische Tulane University mit. Zwei Forscher der Universität, John Verano und Gabriel Prieto, hatten das Team von US-amerikanischen und peruanischen Archäologen angeführt.

Die Kinder wurden demnach vermutlich vor mehr als 500 Jahren von den Chimú getötet. Die Chimú-Kultur war zwischen 1200 und 1470 im Norden Perus bestimmend, wurde später aber von den Inka besiegt.

Kinder hatten 2011 die ersten Knochen in den Sanddünen an der Küste im Norden Perus entdeckt, als sie dort spielten. So kamen Wissenschaftler dem Massengrab in Huanchaquito-Las Llamas auf die Spur, das nur einige hundert Meter entfernt von der damaligen Hauptstadt Chan Chan der Chimú und der heutigen Stadt Trujillo liegt. 

"Menschen opfern das, was für sie den größten Wert hat"

Laut der National Geographic, die über den Fund berichtete, waren bei den Skeletten das Sternum und die Rippen verrenkt. Die Forscher vermuten deshalb, dass den Kindern die Brust aufgeschnitten wurde, um ihnen danach eventuell das Herz zu entnehmen. Die Kinder sollen ersten Erkenntnissen zufolge zwischen fünf und vierzehn Jahren alt gewesen sein. Die Lamas sollen jünger als 18 Monate gewesen sein. Die Forscher gehen davon aus, dass es sich um einen einzigen Vorgang handelte.

Die Hintergründe sind unklar. Laut National Geographic vermuten die Wissenschaftler, dass es in der Zeit während des Massenmordes starke Regenfälle und Fluten gegeben hat. Darauf lasse eine Schlammschicht schließen, die bei den Ausgrabungen entdeckt wurde.

"Menschen opfern das, was für sie den größten Wert hat", zitiert die National Geographic den Anthropologen Haagen Klaus von George Mason University, der an dem aktuellen Fund nicht beteiligt war, aber andere Belege für rituelle Kinderopferungen in der Region gefunden hat. Er vermutet, dass die Chimús womöglich die anhaltenden Regenfälle stoppen wollten und zu dem Schluss kamen, dass ihre bisherigen Opfer nicht effektiv genug gewesen seien.