Mit dem Ackerbau kam der Mensch auf die Idee, Getreide zu mahlen und Brot zu backen – davon gingen Forscher bislang aus. Ein Fund soll nun belegen, dass Brot deutlich älter ist: Forscherinnen und Forscher von den Universitäten Kopenhagen, London und Cambridge haben im Nordosten Jordaniens steinzeitliche Feuerstellen untersucht und sind dabei auf bis zu 14.400 Jahre alte Lebensmittelreste gestoßen, bei denen es sich um Brot handelt (Proceedings of the National Academy of Sciences: Arranz-Otaegui et al.
, 2018
).

In der Ausgrabungsstätte Shubayqa 1 in Jordanien untersuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler insgesamt 24 verkohlte Überreste aus ehemaligen Feuerplätzen. Die Analysen ergaben: Mit ihrem Alter sind die Nahrungsmittel etwa 4.000 Jahre älter als die Landwirtschaft. Die Natufier, ein Volk der Jäger und Sammler, hätten wilde Kornarten gemahlen und flache, ungesäuerte Brotfladen gebacken, schreiben die Forscher. Klingen von Sicheln und steinerne Mörser, die an der Ausgrabungsstelle gefunden worden waren, hätten die Vermutung bereits nahegelegt, dass brotartige Lebensmittel produziert worden seien.

In den Brotfladen wurden mithilfe elektronenmikroskopischer Untersuchungen Spuren von Wurzeln nachgewiesen. Sowohl Getreide- als auch Nichtgetreidekomponenten schienen gründlich gemahlen, gesiebt und ausgelesen worden zu sein, heißt es in der Publikation. Auf dem Speiseplan der Natufier sei Brot allerdings wohl die Ausnahme gewesen, schreiben die Forscher: "Es ist sehr wahrscheinlich, dass getreidebasierte Mahlzeiten wie Brot erst zum Grundnahrungsmittel wurden, als die Landwirtschaft fest etabliert war."

Möglicherweise hätten die Menschen überhaupt erst begonnen, Getreide anzubauen, weil sie das Brotbacken entdeckt hatten, sagt der Londoner Archäologe Dorian Fuller in einer Pressemitteilung: "Brot bedeutet viel Arbeit mit dem Entfernen der Schale, Mahlen der Körner, Kneten und Backen. Dass es hergestellt wurde, bevor es Ackerbau gab, legt nahe, dass es als etwas Besonderes gesehen wurde. Und der Wunsch, mehr von diesem besonderen Essen zu machen, hat wahrscheinlich zur Entscheidung beigetragen, Getreide anzubauen." Die Entwicklung des Ackerbaus wird häufig mit dem Beginn der Jungsteinzeit gleichgesetzt.