Juli 1969, Millionen Menschen sitzen vor Flimmerkisten und Neil Armstrong hüpft auf den Mond. Wie groß war dieser Schritt für die Wissenschaft? Und müssen Menschen da wieder hin? Reisen Sie mit uns in die Geschichte und Zukunft in unserem Schwerpunkt "Zum Mond und zurück".

Eben noch hat die sowjetische Sonde Luna 2 radioaktive Strahlung, Minimeteoriten und Magnetfelder im All gemessen. Kurz darauf stürzt sie ab. Ganz wie geplant. Vor dem Aufprall erzeugt sie noch einen Natriumdampfblitz zur Ortung und schleudert fünfeckige Erinnerungsplaketten aus Titanstahl auf den Mond. Alles hochprofessionell, alles innovativ und nie da gewesen. Die Plaketten liegen bis heute im Mondstaub und verkünden der Welt, wer die Ersten auf dem Mond waren: "UdSSR September 1959". Blöd nur, dass niemand da ist, der das lesen kann. Eine gute PR-Strategie sieht anders aus.

Etwa so: Eine halbe Milliarde Menschen verfolgte 1969 Armstrongs Sprung in den Mondstaub, live und in Schwarz-Weiß. Menschen auf den Mond und wieder zurück zu bringen war technisch eine Meisterleistung, sie dabei im Fernsehen zu zeigen ein Geniestreich. Wer denkt da noch an verstaubte Titanstahlplaketten?

Die krisseligen Bilder mit dem knarzenden Ton überspielten einen für die USA peinlichen Fakt: Nicht sie selbst, sondern die Russen waren in den Sechziger- und Siebzigerjahren in der Raumfahrt eigentlich stets die Ersten.

Erste Sonde, erster Hund, erster Mensch

Der erste künstliche Erdsatellit? Sowjets Sputnik 1. Am 4. Oktober 1957 von Baikonur aus in die Erdumlaufbahn gebracht, piepste er 21 Tage lang ohne Unterlass Radiowellen, während er die Erde umrundete. Das erste Tier im All? Der Moskauer Straßenköter Laika alias Zhuchka. Am 3. November 1957 umkreiste die Hündin in Sputnik 2 die Erde. Auch die erste Sonde im Weltraum – also nicht auf einer Erdumlaufbahn – und der erste Vorbeiflug am Mond starteten in Baikonur. 1959 sah die Welt die ersten Fotos von der erdabgewandten Seite des Mondes. Sie stammten von der sowjetischen Mondsonde Luna 3, einer Art Polaroidkamera mit angeschlossenem Faxgerät, die sich mithilfe von Fotozellen automatisch ausrichtete, bis sie den Mond im Blick hatte. Die Bilder erinnerten zwar ein bisschen an das Turiner Leichentuch, doch die Technik, mit der sie gemacht wurden, war minimalistisch und trickreich.

Die sowjetische Mondsonde Luna 1. Am 4. Januar 1959 sollte sie auf dem Mond aufsetzen. Doch sie hatte ein derart hohes Tempo, dass sie an dem Erdtrabanten vorbeisauste und so den ersten Vorbeiflug am Mond produzierte. © dpa

Als wäre das nicht Schmach genug, erzielten die Russen wenig später einen neuen Rekord. Mit Juri Gagarin schickten sie 1961 den ersten Mann ins All. Am 12. April umkreiste Gagarin in dem Raumschiff Vostok 1 für 108 Minuten die Erde. Der Kosmonaut wurde damit zum Helden der Sowjets. Und wieso aufhören, wenn es doch gerade so gut läuft? Walentina Tereschkowa, zur großen Freude der Propagandisten ursprünglich Textilarbeiterin, beendete ihre Erdumkreisungen 1963 wie geplant mit einem spektakulären dreistündigen Fallschirmabsprung aus 6,5 Kilometern Höhe und landete in Kasachstan. Bauern halfen ihr danach zum nächsten Telefon, damit sie ihre Landestelle durchgeben und abgeholt werden konnte.

Noch während die Amerikaner ihre bemannte Mondlandung vorbereiteten, verfolgten die Russen viel fernere Ziele, darunter die Venus. Im Jahr 1966 schickten die Ingenieure die Sonde Venera 3 auf Reisen. Die Muttersonde bezog ihren Strom übrigens aus Galliumarsenid-Zellen – den ersten Solarzellen im All. Ein halbes Jahr war sie zum Planeten unterwegs, um dann dort eine Landesonde freizusetzen, die auf der Oberfläche zerschellte. Das hatte man sich einfacher vorgestellt.

Aufgeben aber war keine Option. Es galt, das Sonnensystem zu erobern, und es sah ganz danach aus, als würde dies gelingen. Dann jedoch kam der 20. Juli 1969, Neil Armstrong betrat den Mond und stellte die Sowjets in den Mondschatten.