Es ist Februar 1976. Auf dem Militärstützpunkt in Fort Dix im US-Bundesstaat New Jersey fühlt sich der Soldat David Lewis unwohl. Kurze Zeit später stirbt er. Die Todesursache: Eine Infektion mit einer Variante des H1N1-Virus, das in Schweinen ursprünglich vorkommt. Die Behörden sind besorgt als weitere Soldaten Grippesymptome zeigen. Gesundheitsexperten drängen den damaligen Präsidenten Gerald Ford eine bis dahin beispiellose Massenimpfung anzuordnen, mit einer kaum erprobten Vakzine. Im Oktober 1976 beginnt die Aktion, die jeden Amerikaner immunisieren soll. Doch es geht etwas furchtbar schief.

Einige der Geimpften erkranken am Guillain-Barré-Syndrom einem seltenen Nervenleiden. 500 Menschen klagen in den nächsten Wochen über Lähmungen, etwa 30 sterben. Eine Katastrophe, das Vertrauen der Bevölkerung ist erschüttert. Im Dezember wird das 135 Millionen-Dollar schwere Impfprogramm abgebrochen. 40 Millionen Amerikaner bekamen die Spritze. Ihr Ziel erreicht die Impfung nicht, doch das ist nicht nötig: Die gefürchtete, tödliche Grippewelle bleibt aus. Das Virus verschwindet.

Es ist dieses Horrorszenario, das Impfgegner nun wieder aus den Archiven kramen, um zu warnen. Denn die Welt bereitet sich derzeit auf eine Impfkampagne gegen die als Schweinegrippe bekannt gewordene und als Pandemie deklarierte Influenza H1N1/09 vor.

Deutschland will 25 Millionen Menschen im Herbst gegen die besser Amerikagrippe genannte Erkrankung immunisieren, andere Länder planen weit größere Impfaktionen. Allein die USA rechnen gar mit 116 Millionen Impfdosen. Eine Situation, die in der Seuchengeschichte einmalig ist. Während Experten eine Impfung für Risikogruppen wie Schwangere, chronisch Kranke und Menschen mit Vorerkrankungen empfehlen, zeigt sich die Öffentlichkeit mehrheitlich impfmüde, zumindest hierzulande.

Der Grund dafür ist absurd: Gegner der Vakzine läuten derzeit eine panische Reaktion ein, wie wir sie bereits kennen – von den Meldungen über die Grippe selbst. Schreckensszenarien über eine mögliche Mutation des Erregers zu einem tödlichen Keim werden abgelöst von der Hysterie, was passieren könnte, sobald sich die Massen einer Impfung unterziehen. Von unkalkulierbaren Nebenwirkungen ist die Rede, noch dazu gilt unter Impfgegnern jeder Virologe und Forscher, der sich für die Vakzine stark macht, als Pharma-Lobbyist.