Erstmals liegen für das seit 2005 in Deutschland angewendete Mammografie-Screening Studienergebnisse vor. Seit dem Jahr 2005 haben alle Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren Anspruch darauf, sich alle zwei Jahre kostenlos auf Brustkrebs untersuchen zu lassen. Valide Daten darüber, ob die bundesweite Reihenuntersuchung tatsächlich die Todeszahlen nach Brustkrebserkrankungen senkt, gibt es frühestens nach zehn Jahren. Doch die aktuelle Studie gibt Aufschluss über einige Aspekte des Screenings.

So entdeckten seit Einführung der Maßnahme Screening-Ärzte bei sieben bis acht von 1000 Frauen einen Tumor in der Brust. Vorher wurde – mit großen regionalen Unterschieden – bei rund zwei bis drei von 1000 Frauen Brustkrebs entdeckt. Zudem fielen beim Screening mit 30,8 Prozent rund doppelt so viele kleine Tumore auf (Größe bis zum zehn Millimeter) als vorher (14 Prozent).

Ein weiteres Ergebnis ist, dass drei Viertel (76,7 Prozent) der im Rahmen der Früherkennung entdeckten Tumore noch nicht gestreut, also keine Metastasen gebildet hatten. Damit wird die Behandlung für die betroffenen Frauen schonender. Sie brauchen zum Beispiel seltener Chemotherapien, außerdem sind größere Operationen nicht mehr so häufig notwendig. Vor dem bundesweiten Screening wurden lediglich 49 Prozent dieser Tumore entdeckt.

Ziel einer Mammografie ist es, Tumore in einem möglichst frühen Stadium zu entdecken. Bei der Untersuchung wird die weibliche Brust geröntgt. Im Unterschied zu bisherigen Mammografien beim Frauenarzt ist das Screening-Programm nach europäischen Qualitätsstandards aufgebaut und wird laufend überwacht. Die Bilder dürfen nur geschulte Ärzte auswerten, die Erfahrung mit Tausenden Röntgenaufnahmen von der Brust nachweisen können.

Für die Deutsche Krebsgesellschaft ist das Screening derzeit die einzige Möglichkeit, Frühformen von Brustkrebs zu entdecken und dadurch bessere Heilungschancen zu erreichen. Verhindern kann die Mammografie eine Brustkrebserkrankung allerdings nicht. Außerdem ist das Screening unter Fachleuten umstritten, denn im Vergleich zu anderen Früherkennungsuntersuchungen kommt es bei der Mammografie relativ häufig zu falschem Alarm. Gelegentlich werden auch von den Fachleuten in den Screening-Zentren Tumore übersehen.

Pro Jahr sterben rund 17.500 Frauen in Deutschland an Brustkrebs und mehr als 57.000 erkranken neu daran – zumeist in höherem Alter. Von allen Krebserkrankungen bei Frauen fordert Brustkrebs damit die meisten Todesopfer.

In die Studie flossen Erhebungen aus 77 Screening-Einheiten ein, was etwa 2,9 Millionen Untersuchungsdaten entspricht. Heute gibt es, nach dem schrittweisen weiteren Aufbau des Programms, flächendeckend 94 Screening-Zentren.