Die Menschen in den Dörfern und Städtchen am Semliki-Fluss in Uganda haben keinen Strom und wenig Wasser. Die Zuflüsse des Grenzflusses zwischen Uganda und der Demokratischen Republik Kongo bilden die einzigen Lebensadern der Bewohner.

Aber das Wasser ist es auch, das viele Menschen in den Uferregionen blind macht. Denn in Fließgewässern gedeihen die Larven der Kriebelmücke – Hauptüberträger der "Flussblindheit" oder Onchozerkose.

Beim Stich der Mücke wird ein winziger Fadenwurm (Onchocerca volvulus) übertragen. Dieser Parasit nistet sich in der Unterhaut ein, wo die Larve innerhalb eines Jahres zu einem ausgewachsenen Wurm heranreift. Und der kann bis zu 70 Zentimeter lang werden. Die Wurmweibchen bilden dann bis zu 1000 winzige Nachkommen am Tag.

Diese Mikrofilarien wandern in unterschiedliche Organe und auch ins Auge, wo sie letztlich zur Erblindung führen können. Da sich die winzigen Würmer im ganzen Körper ausbreiten, können sie von Stechmücken aus der Haut wieder aufgenommen werden – das sichert dem Parasiten das Überleben.

37 Millionen Menschen, schätzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO), leiden weltweit an der langsamen Erblindung. An einigen abgelegenen Orten Afrikas sind mehr als ein Drittel der Erwachsenen mit dem Parasiten infiziert. Doch am Beispiel der Flussblindheit zeigt sich auch, wie viel sich mit einfachen Hilfsprogrammen erreichen lässt.

Als eine der ersten sagten Forscher des Hamburger Bernhard-Nocht-Insitituts für Tropenmedizin vor mehr als 15 Jahren der Onchozerkose den Kampf an. Der Medikamenten-Hersteller Merck hatte damals begonnen, ein wurmtötendes Medikament kostenlos an die afrikanischen Entwicklungsländer zu liefern. 

Heute laufen ähnliche Programme in den Entwicklungsländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas. Die US-Hilfsorganisation Task Force for Child Survival and Development hat gemeinsam mit dem Pharma-Riesen Johnson & Johnson das "Kinder ohne Würmer"-Programm gestartet. In vielen Ländern konnte die Flussblindheit auch durch die konsequente Bekämpfung der Mücken eingedämmt werden.