Von diesem Donnerstag an geben die gesetzlichen Krankenkassen in der Testregion Nordrhein neue Chipkarten an Versicherte aus. Nach jahrelangen Verzögerungen startet damit ein weiteres IT-Milliarden-Projekt in Deutschland. Von den neun Millionen Versicherten der Pilotregion sollen bis Ende des Jahres mindestens 100.000 die Karte bekommen. Schrittweise soll die Karte bis Ende 2010 bundesweit eingeführt werden und die bisherige Versichertenkarte ersetzen.

Neu an der elektronischen Gesundheitskarte ist das persönliche Foto. Dadurch soll der Kartenmissbrauch verhindert werden. Auf der Rückseite befindet sich der europäische Krankenversicherungsschein. Ihre geplanten Funktionen soll die Karte erst nach und nach erhalten. In der Startphase werden auf der Karte zunächst wie bei der alten Versicherungskarte nur die Stammdaten des Patienten gespeichert sein. Die Online-Anbindung wird nach Schätzungen frühestens im kommenden Jahr umgesetzt werden können.

Mit der Einführung der Gesundheitskarte sollen Reibungsverluste zwischen Praxen, Kliniken und Apotheken vermindert und Doppeluntersuchungen vermieden werden. Geplant ist, Daten über Diagnosen und Behandlungen auf zentralen Servern zu speichern. Die Karte soll als Schlüssel dazu dienen.

Die Verbraucherkommission Baden-Württemberg forderte, stattdessen die Daten dezentral zu speichern und sprach sich dafür aus, die Karte wegen mangelnden Datenschutzes nicht wie vorgesehen einzuführen. Das Gremium, das die Landesregierung berät, warnte, Gesundheitsdaten seien für etliche Stellen wertvoll und Missbrauch sei wahrscheinlich.

"Online-Kommunikation ist die Kommunikation des 21. Jahrhunderts – das muss auch das Ziel des Gesundheitswesens sein", sagte der Sprecher des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherung, Florian Lanz. Bei Ärzten und Zahnärzten ist die Gesundheitskarte stark umstritten. Die Mediziner befürchten etwa Datenschutzprobleme bei der geplanten elektronischen Speicherung von Krankenakten und Arztbriefen auf Servern. Lanz sagte dagegen, der Bundesdatenschutzbeauftragte sei eng in die Entwicklung der Karte eingebunden gewesen. "Wir gehen davon aus, dass die Daten sicher sind."

In einer gemeinsamen Erklärung der einzelnen Krankenkassen wollten die Kassen die Sorgen um die Sicherheit der sensiblen Patientendaten zerstreuen. "Wichtig ist, dass auch künftig medizinische Daten der Patienten nur mit deren ausdrücklicher Zustimmung genutzt werden können", betonten sie am Mittwoch in der Erklärung. "Der Patient bleibt also Herr seiner eigenen Daten."