Tagelang war die Entscheidung hinausgezögert worden, jetzt haben Vorstand und Stiftungsrat Klarheit geschaffen: Deutschlands oberster Arzneimittelkontrolleur Peter Sawicki muss gehen. Vorwürfe um unkorrekte und überhöhte Spesenabrechnungen kosteten den Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) das Amt.

Der Vertrag des 52-jährigen Wissenschaftlers laufe zum 31. August aus, teilten Vorstand und Stiftungsrat des Instituts mit. Die "hervorragenden inhaltlichen Leistungen des Instituts" sollten nicht mit Diskussionen um ordnungsgemäße Verwaltungsabläufe belastet werden, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Sawicki selbst bestreitet alle Vorwürfe. "Das ist alles konstruiert, und nichts davon ist wahr. Ich denke, dass man einen Vorwand sucht, um eine Änderung der Institutsleitung zu bewirken", sagte er.

Die Entscheidung hatte bereits im Vorfeld für heftige Diskussionen gesorgt. Durch seine kritischen Untersuchungen zu Kosten und Nutzen von Medikamenten war Sawicki seit Langem ein Gegenspieler der Pharmabranche. Die Studien des IQWiG haben erheblichen Einfluss auf die Entscheidung, ob Medikamente von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden. Das Institut gründete 2004 die rot-grüne Regierung.

Gesundheitsminister Philipp Rösler und dessen FDP hatten schon vor der Bundestagswahl keinen Hehl aus ihrer kritischen Haltung zu Sawicki gemacht. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach nannte die Vorgänge um Sawicki in der Süddeutschen Zeitung einen "neuen Tiefpunkt" schwarz-gelber "Klientelpolitik".

Gesundheitsstaatssekretär Stefan Kapferer (FDP) sagte vor der Entscheidung, es werde keine Lockerung der Prüfregeln geben. Allerdings müsse die Transparenz der IQWiG-Verfahren immer wieder überprüft werden.