Übelkeit, Erbrechen, Licht-, Geräuschempfindlichkeit: Mit einer Migräne gehen nicht nur stechende Kopfschmerzen, sondern meist auch zahlreiche andere belastende Symptome einher. Mit magnetischen Impulsen haben US-Forscher nun die Schmerzen von Migräne-Patienten lindern können. Nebenwirkungen traten bei den insgesamt 267 Teilnehmern nicht auf, berichten die Forscher in der britischen Wissenschaftszeitschrift Lancet Neurology.

Die Transkranielle Magnetstimulation (TMS), eine nicht-invasive Technologie, bei der mit Hilfe starker Magnetfelder Bereiche des Gehirns sowohl stimuliert als auch gehemmt werden können, wird schon länger als möglicher Ansatz gegen Depressionen, Tinnitus und Parkinson erprobt. Nun testeten Mediziner das Verfahren zur Migräne-Therapie.

Die Forscher um Richard Lipton vom Albert Einstein College of Medicine in New York behandelten Patienten mit einer Magnetstimulation mit Einzelimpulsen (sTMS) oder einer nicht wirksamen Alternative, einem Placebo. Die Impulse wurden von handlichen Geräten abgegeben, mit denen sich die Patienten selbst behandeln können.

In der Placebo-Gruppe gaben zwar 22 Prozent der Teilnehmer an, keine Schmerzen mehr zu haben. Doch mithilfe der sTMS wurden 39 Prozent der Probanden von ihren Schmerzen befreit  – also signifikant mehr. Die Schmerzbekämpfung funktionierte umso besser, je früher die Magnetspulen bei einer beginnenden Attacke zum Einsatz kamen.

Nach Ansicht des Neurologen Hans-Christoph Diener vom Universitätsklinikum Essen könnte die sTMS somit vor allem für Patienten ein großer Fortschritt sein, denen Medikamente wenig oder gar nicht helfen. In einem Kommentar schrieb Diener, dass die Therapie bisher zwar nur an Patienten mit Aura erprobt wurde, möglicherweise aber auch bei Migräne ohne Aura helfe.

Unter dem Begriff Aura werden Symptome wie Übelkeit, Lichtempfindlichkeit, Prickeln in den Gliedern, Lichtflecken vor den Augen und Probleme beim Sprechen zusammengefasst. Etwa 20 bis 30 Prozent der Migräne-Patienten haben neben dem Kopfschmerz solche Symptome, heißt es in dem Journal. In Westeuropa und den USA leiden der Statistik nach 18 Prozent aller Frauen und 6 Prozent der Männer regelmäßig an Migräne.

Bisher lässt sich nur vermuten, wie sTMS auf das Gehirn wirkt. Die magnetischen Impulse könnten die elektrischen Abläufe im Hirn unterbrechen, die einer Migräne mit Aura zugrunde liegen. In weiteren Studien solle geprüft werden, ob mehrere Impulse den Erfolg noch steigern könnten, erläuterte Diener. Er wies darauf hin, dass das Gerät zu groß für eine kleinere Damenhandtasche sei. In eine Aktentasche zum Mitnehmen ins Büro passe es aber.