Nach den heftigen Diskussionen um die Notwendigkeit einer Impfung gegen den Grippeerreger A/H1N1, der im Frühjahr 2009 erstmals nachgewiesen wurde, ist es ruhig geworden um die sogenannte Schweinegrippe . Zwar kam es tatsächlich zu einer weltweiten Pandemie mit Hunderttausenden Infizierten und rund 18.000 bestätigten Todesfällen – doch der Erreger entpuppte sich als weit weniger aggressiv als befürchtet. Bei den meisten Patienten verlief die Schweinegrippe glimpflich und im Verhältnis zu den bis dahin bekannten saisonalen Grippeerregern forderte A/H1N1 wenig Tote.

Doch all das war nicht vorhersehbar. Nach derzeitigen Stand der Wissenschaft haben Grippeviren stets das Potenzial, so zu mutieren, dass sie für den Menschen lebensbedrohlich werden können – und das gilt auch für die Schweinegrippe, die ihren Namen übrigens zu Unrecht trägt: Das A/H1N1-Virus enthält nämlich Erbmaterial verschiedener Vogel-, Schweine- und Humangrippeviren, und es wurde auch nicht von Schweinen auf den Menschen übertragen. Daher nannten Forscher den Erreger zum Teil auch Neue Grippe oder Amerikanische Grippe – doch inzwischen hat sich der Name Schweinegrippe etabliert.

Virologen und Epidemiologen mussten also vor möglichen Mutationen warnen und Impfungen empfehlen. So kam es dazu, dass auch Deutschland große Mengen der Vakzine bestellte – doch nur wenige Menschen ließen sich wirklich impfen, aus Angst vor Nebenwirkungen oder aus Unglaube, der Erreger könne ihnen gefährlich werden.

Jetzt hat das Robert Koch-Institut (RKI) einen Bericht veröffentlicht, der die Impfmüdigkeit der Deutschen statistisch dokumentiert. Danach ließen sich im Bundesdurchschnitt nur sieben bis acht Prozent der Menschen das Serum gegen A/H1N1 spitzen. "Das ist ganz klar zu wenig, ein eindeutiger Misserfolg", sagt Susanne Glasmacher vom RKI in Berlin. Bei einer saisonalen Grippewelle sei normalerweise etwa ein Viertel der Bevölkerung geimpft.

Auch von den Risikopatienten mit Grunderkrankungen, denen eine Impfung besonders empfohlen worden war, kamen nur zwölf Prozent dem Aufruf nach. Unter Ärzten und Pflegepersonal lag die Quote bei 16 Prozent. "Da kann man nur noch weinen", sagt Glasmacher. "Die Impfquote unter Ärzten war sicherlich noch nie gut, aber auch noch nie so schlecht wie hier."

Dass die Impfempfehlungen in der gesamten Bevölkerung kaum Anklang gefunden haben, verwundert Glasmacher allerdings nicht. Offenkundig habe die fehlende Bedrohungseinschätzung dazu beigetragen. Auch seien die ihrer Meinung nach nicht gerechtfertigten Berichte über angebliche Nebenwirkungen des Impfstoffs ein wichtiger Grund – "wenn nicht sogar der wichtigste" –, dass es Bedenken über die Impfstoffsicherheit gab.

"Wir haben gebetsmühlenartig wiederholt, dass die Impfstoffe verträglich sind, viel genutzt, hat es nicht", sagt auch Susanne Stöcker vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in Langen. "Es ist ein Unding, dass Ärzte gegensätzliche Impfempfehlungen ausgesprochen haben – sie hätten die Patienten vernünftig beraten müssen", beklagt Glasmacher. Speziell in Deutschland wurde im Zusammenhang mit der Schweinegrippe zudem über eine Zweiklassenmedizin debattiert , was die Skepsis vieler Menschen stärkte.