Drei Säuglinge sind auf der Intensivstation des Uniklinikums Mainz gestorben, nachdem sie eine mit Darmbakterien verunreinigte Infusion bekommen hatten. Insgesamt elf Kinder wurden mit der infizierten Nährlösung behandelt. Im Moment sieht vieles danach aus, dass die Enterobacter -Bakterien im krankenhauseigenen Reinraum in die Lösung und damit ins Blut der Kinder gelangten.

Jetzt wird der Ruf laut nach schärferen Hygienevorschriften für Krankenhäuser. Bislang ist das Ländersache. Politiker von CDU und FDP fordern eine bundeseinheitliche Gesetzgebung und verweisen auf die vielen Menschen, die jedes Jahr in Deutschland an den Folgen von Krankenhausinfektionen sterben. Fehlende Vorschriften in vielen Bundesländern seien Schuld an dem Dilemma.

Doch das ist zu kurz gedacht. Wenn die Infusionslösungen, die die Säuglinge in der Mainzer Uniklinik bekamen, tatsächlich im Reinraum verunreinigt wurden, greifen hier keine Vorschriften für die Krankenhaushygiene. Für die Zubereitung der Nährlösungen sind Pharmazeutisch-Technische Assistenten (PTAs) zuständig, die nach den Richtlinien arbeiten, die für Apotheker gelten. Viele Kliniken haben nicht einmal eigene Apotheken. Sie erhalten ihre Medikamente und Infusionslösungen von externen Zulieferern – auch für Intensivstationen. Zwar gibt es auch für die Herstellung von Medikamenten strenge Industrieauflagen – doch die Zuständigkeit ist eine andere als im Krankenhaus.

Wer in diesem Fall also nach einem Schuldigen sucht, sollte bedenken, dass es in der Versorgungskette von Patienten viele Stellen gibt, an denen Pannen passieren können. Die Hygiene in der Klinik, auf die Ärzte und Pfleger auch unter Zeitdruck, manchmal übermüdet und vielerorts trotz Personalmangels achten müssen, ist nur ein Glied dieser Kette. An welcher Stelle die Hygienekette in Mainz gerissen ist, muss nun die Staatsanwaltschaft klären.

Sollte sich herausstellen, dass die Babys sterben mussten, weil Infusionen in der Klinikapotheke verunreinigt wurden, ist dieser Fall kein typisches Beispiel für die Hygieneprobleme in deutschen Kliniken. Die Verunreinigung zugelieferter Medikamente – vor oder nach der Herstellung – dürfte die absolute Ausnahme sein. Die meisten Patienten, die an Krankenhauskeimen sterben, werden auf der Station infiziert, weil Ärzte, Pfleger, Reinigungskräfte und Besucher Hygieneregeln missachten.

Damit sich das ändert, müssen Ausbildung und Berufsalltag in Kliniken es den Mitarbeitern ermöglichen, Hygienevorschriften immer penibel einzuhalten. Hier sollte sich die Politik engagieren – gegen Ärzte- und Pflegemangel zum Beispiel. Einheitliche Gesetze und Kontrollen können dabei nur der Anfang sein.