Mangelnde Hygiene, das steht so gut wie fest, hat drei Babys im Mainzer Universitätsklinikum das Leben gekostet. Um Einzelfälle handelt es sich nicht, denn immer wieder kommt es – auch in Deutschland – zu Todesfällen wegen fehlerhafter Krankenhaushygiene.

Was genau ist in Mainz passiert?

Am vergangenen Samstag sind im Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätskliniken in Mainz zwei Säuglinge gestorben . Nun ist ein drittes Baby gestorben, vermutlich an den Folgen einer Bakterien-Infektion. Die Frühgeborenen lagen dort auf der Intensivstation und erhielten Nährlösungen, die mit Bakterien der Gattung Enterobacter verunreinigt waren.

Bei der Infusionslösung handelt es sich um Flüssignahrung, die Patienten direkt ins Blut gespritzt wird. "Das ist dieselbe Nahrung, die auch erwachsene Intensivpatienten bekommen. Sie enthält im Prinzip das, was ein Mensch normalerweise essen würde: Fette, Eiweiße, Zucker, Salze, Wasser und Vitamine", sagt Christoph Bührer, Direktor der Klinik für Neonatologie der Charité in Berlin.

Für Erwachsene gibt es solche Komplettlösungen zu kaufen. Bei Säuglingen muss die Mischung aber an die Bedürfnisse des einzelnen Patienten angepasst werden. So hatten einige der Neugeborenen in Mainz eine Herzoperation hinter sich. "Dann befindet sich der Körper im Alarmzustand", sagt Bührer. Von einem "Post-Aggressions-Stoffwechsel" sprechen Mediziner. "Da ist der Körper darauf aus, die Bedrohung zu bekämpfen und weniger darauf eingestellt, Aufbau zu leisten. In so einer Situation wird zum Beispiel Traubenzucker schlechter verstoffwechselt, gibt man zu viel davon, wird der Patient künstlich zuckerkrank."

Darum rechnet der Arzt für jeden einzelnen Patienten aus, was er benötigt. Das individuelle Rezept geht an die Krankenhausapotheke, wo die einzelnen Bestandteile, von verschiedenen Firmen als sterile Lösungen angeliefert, zusammengemischt werden. Dafür gibt es einen Raum, in dem strengste Hygieneregeln gelten. Er wird durch eine Schleuse betreten, die Hände müssen desinfiziert werden, die sterilen Handschuhe alle 30 Minuten gewechselt. Die Qualität der Produkte wird durch das Institut für Mikrobiologie und Hygiene der Uniklinik Mainz überwacht – von jeder Lösung werden Proben genommen, die täglich überprüft werden.

Wie viele Kinder sind betroffen?

Verkeimungen wurden nur bei den Infusionen, die den Kindern gegeben wurden, festgestellt, sagte der Leitende Mainzer Oberstaatsanwalt Klaus-Peter Mieth. "Sonst hat niemand eine verunreinigte Lösung erhalten, andere Patienten waren nicht betroffen."

Auf der Intensivstation hatten insgesamt elf Kinder die verunreinigte Nährlösung bekommen – es handelt sich bis auf ein Kind um Säuglinge im ersten Lebensjahr. Lediglich ein Kind ist älter, laut Klinik ein Kind im Vorschulalter. Professor Fred Zepp, Leiter der Kinderklinik, erklärte am Montag, dass fünf der Babys in kritischem Zustand seien. Vier dieser Kinder hätten eine stabile Nacht hinter sich gebracht, lediglich bei einem Kind, eine sehr schwache Frühgeburt, sei zu befürchten, dass es nicht überlebe. Für alle anderen bestehe Hoffnung auf Genesung.