Babyschwimmen erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Doch das Umweltbundesamt (UBA) rät nun vom Badespaß für die Kleinsten ab, wenn in der Familie gehäuft Allergien vorkommen. Aktuelle Studien belegen offenbar einen Zusammenhang zwischen der Atemwegserkrankung Asthma sowie anderen chronischen Erkrankungen und dem Schwimmen in gechlortem Wasser.

Kleinkinder unter zwei Jahren, sollten nicht in gechlorte Bäder gehen, wenn Familienmitglieder unter Allergien wie Dermatitis, Heuschnupfen und Asthma leiden. "Als familiär vorbelastet gelten Kinder, wenn mindestens ein Elternteil oder ein Geschwister eine solche Diagnose hat", sagt Tamara Grummt. Sie ist die leitende Toxikologin der Trink- und Badebeckenwasserkommission des UBA. Die Eltern dieser Kleinkinder sollten ihren Arzt um Rat fragen und sich über die Wasserqualität in ihrem Schwimmbad informieren. Alle anderen Kinder und Erwachsene könnten weiterhin bedenkenlos baden.

Die Luft in Hallenbädern reichert sich generell mit Trichloraminen an, da Chlor benutzt wird, um die Becken und das Wasser zu desinfizieren. Die chemische Verbindung verursacht den typischen Hallenbadgeruch, der als "Chlorgeruch" empfunden wird. Sie entsteht, wenn Chlor mit Harnstoff in Kontakt kommt, den die Badegäste über Schweiß, Kosmetika, Hautschuppen und auch Urin ins Wasser einbringen. In einem Zehntel der untersuchten Bäder sei die Konzentration an Trichloraminen zu hoch gewesen. In einem Kubikmeter Luft wurden bis zu 18,8 Milligramm Trichloarmin gemessen, 37 Mal so viel, wie es die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt. Im Großteil der deutschen Bäder sei die Belastung aber im Rahmen. In neun von zehn Becken lag die Konzentration unterhalb des Grenzwertes von 0,5 Milligramm pro Kubikmeter. 

Da Kleinkinder noch ein sehr sensibles Lungengewebe haben, sind sie besonders gefährdet. Gerade im Kinderbecken seien oft mehr verdächtige Substanzen vorhanden, weil dort die Wassertemperatur höher sei und mehr Urin ins Wasser gelange. Noch fehlen aber ausführlichere Daten zur kritischen Trichloramin-Konzentration. Ob etwa niedrige Mengen der Verbindung schädlich für frühkindliche Lungenmembranen sind, müssen weitere Studien untersuchen. Belgische Autoren hatten 2003 erstmals einen möglichen Zusammenhang zwischen Asthma und dem Schwimmen in gechlortem Beckenwasser diskutiert.