Es ist ein ständiger Wettkampf: Jedes Jahr müssen Forscher die Grippe-Impfstoffe den aktuellen Erregern anpassen, denn Influenza-Viren mutieren. Dabei verändern sie sich so rasant, dass alte Impfstoffe nichts mehr ausrichten können. Deshalb sind Geimpfte auch immer nur ein Jahr lang vor Ansteckung geschützt. 

Problematisch wird es, wenn ein ganz neuer Erreger in Erscheinung tritt, der in seiner Struktur den gängigen Varianten von Grippe-Viren überhaupt nicht ähnelt. Genau das passierte, als im März 2009 in Amerika die neue Virus-Variante A/H1N1 (Subtyp A/California/7/2009) auftauchte, die den irreführenden Namen Schweinegrippe bekam. Von der Isolierung des Erregers bis zur Massen-Impfstoffproduktion dauerte es ein halbes Jahr. Umstrittene Wirkverstärker (Adjuvantien) wurden eingesetzt, um den Herstellungsprozess zu beschleunigen. Zum Glück erwies sich die Schweinegrippe als weniger aggressiv als zunächst befürchtet, auch wenn sie Hunderttausende Menschen weltweit infizierte.

Doch was, wenn eines Tages ein Grippe-Virus zu einer Variante mutiert, die ähnlich tödlich ist wie die Spanische Grippe (auch ein H1N1-Virus) aus dem Jahr 1918? Dann könnte ein Generalimpfstoff schützen, an dem britische Forscher derzeit arbeiten. Die Wissenschaftler um Sarah Gilbert vom Jenner Institute , das mit der Oxford-Universität kooperiert, haben eine neue Vakzine entwickelt. Sie greift zwei Proteine (Eiweiße) im Inneren der Erreger an, die bei allen Grippe-Viren ähnlich aussehen. Herkömmliche Influenza-Impfstoffe erkennen die Viren hingegen an Proteinen auf der Außenhülle. Doch genau diese verändern sich, wenn das Virus mutiert, und machen es unangreifbar für Antikörper.

Die neue Vakzine regt die körpereigene Immunabwehr dazu an, T-Zellen zu bilden. Sie machen die infizierten Zellen ausfindig und töten sie ab. Wie die britische Zeitung The Guardian berichtet , wurde der neue Impfstoff bereits an Menschen getestet. Ein solcher Breitband-Impfstoff könnte Pandemien verhindern, sagen die Forscher. Wäre ein gewisser Prozentsatz der Bevölkerung damit geimpft, könnte sich ein neuer Erreger wie die Schweinegrippe im Jahr 2009 nicht derart ausbreiten.

In der klinischen Studie impften die Forscher elf Freiwillige und infizierten sie dann mit einem H3N2-Grippe-Virus. Zum Vergleich wurden elf Nicht-Geimpfte mit dem gleichen Erreger infiziert. Daraufhin verglichen die Wissenschaftler die Symptome der Versuchspersonen. Auch wenn die Zahl der Teilnehmer für statistisch valide Aussagen zu gering ist, zeigte sich, dass die Impfung vor der Grippe schützte. "Von den Geimpften erkrankten weniger an Grippe als von den Nicht-Geimpften", sagte Studienleiterin Gilbert. Außerdem stellten die Forscher bei den Probanden, die das Serum erhalten hatten, eine stärkerer Aktivität der T-Zellen fest.

"Das Problem bei der Grippe ist, dass es viele verschiedene Stämme gibt, die sich auch noch ständig verändern", sagte Adrian Hill, Direktor am Jenner Institute. Wenn dann zufällig eine Grippe-Virus-Variante aus Wildvögeln oder Schweinen so mutiere, dass sie den Menschen infizieren kann, seien wir nicht immun dagegen. Dann dauere es zu lange, einen passenden Impfstoff zu entwickeln. Ein neuer Impfstoff, der gegen alle Influenza-Subtypen und Varianten schütze, würde nach Ansicht der Wissenschaftler Zeit und Geld sparen. Patienten könnten sich das ganze Jahr über impfen lassen, ähnlich wie bei Standardimpfungen etwa gegen Tetanus.

Besonders älteren Menschen könnte der neue Impfstoff zu Gute kommen, denn bei ihnen bieten herkömmliche Impfungen keinen besonders guten Schutz. Als nächstes wollen die Forscher die Impfung in einer groß angelegten Studie an Tausenden von Probanden testen.