Milcah Gitau wird von Allen nur "Mama Moskito" genannt. Seit 20 Jahren zieht die Kenianerin Mücken groß, die Entomologen im Internationalen Insekten-Forschungsinstitut (ICIPE) am Stadtrand von Nairobi für ihre Versuche brauchen. Hunderte Plastikkästen stehen in dem geheizten Aufzuchtsraum in Metallregalen aufgereiht, jeder einzelne fein säuberlich mit einem Stück Moskito-Netz abgedeckt. Darin wimmeln die Mücken – der ganze Raum scheint zu summen. "Ich kann am Tag 15.000 Moskitos aufziehen", sagt Mama Moskito stolz. Die Larven versorgt sie mit Zuckerwasser, die ausgewachsenen Insekten mit in Wasser aufgelöstem Fischfutter.

Besonders gefragt bei den Forschern sind Anopheles-Mücken, die Spezies, deren Weibchen beim Stich einzellige Parasiten der Gattung Plasmodium übertragen – die Erreger des Sumpffiebers Malaria. Ist der Parasit einmal in den Körper eines Menschen gelangt, ist die Bekämpfung mit Medikamenten schwierig und teuer. Viele Menschen in Afrika haben gar keinen Zugang zu solchen Medikamenten. Der beste Schutz gegen die Tropenkrankheit ist daher der Schutz vor Moskito-Stichen.

Noch immer wird in Afrika deshalb die Chemikalie Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT) gegen Moskitos eingesetzt. Ein gesundheitsschädliches Insektizid, das von den Mitgliedstaaten der Stockholm-Konvention unter die schwer abbaubaren Umweltgifte (Persistant Organic Pollutants, kurz POPs) fällt und in den meisten westlichen Ländern verboten ist. Am 26. April traf sich eine globale Allianz mit Vertretern aus Politik, Industrie und Verbänden in Genf, um auch für die Moskito-Bekämpfung in Afrika über Alternativen zu DDT zu beraten.

Doch mit schnellen Ergebnissen rechnen selbst die Organisatoren nicht – und das obwohl es längst Alternativen zur chemischen Malaria-Bekämpfung gibt. Einige davon stammen aus dem nairobischen Forschungsinstitut ICIPE: Bakterien, die in die Brutstätten der Moskitos gegeben werden und die Larven binnen 24 Stunden töten, sind hier ebenso entwickelt worden wie ein Gemisch aus Pilzen, das in Innenräumen auf Wände gesprüht werden kann. Nebenwirkungen hat keines dieser Mittel.

Trotzdem ist die Nachfrage noch gering, klagt Michael Brander von der Schweizer Stiftung Biovision , die die Suche nach alternativen Malaria-Mitteln fördert. "Es fehlt der politische Wille", sagt Brander. Oft würden ökologisch nachhaltige Alternativen gar nicht erst geprüft – wohl auch deshalb, weil DDT-Spray konkurrenzlos billig ist.