Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner hat die Ausbreitung des gefährlichen Darmkeims Ehec als "besorgniserregend" bezeichnet. Die CSU-Politikerin warnte vor voreiligen Erklärungen für die rasante Ausbreitung der lebensbedrohlichen Darminfektionen. "Das sind alles Spekulationen", sagte Aigner im ARD-Morgenmagazin.

Zuvor war berichtet worden, dass Landwirte die Krankheitswelle durch den unsachgemäßen Einsatz von Gülle als Dünger ausgelöst haben könnten. "Das ist genau die Problematik, weil wir jetzt momentan noch nicht sagen können, wo ist die Quelle", gab Aigner weiter an. Das Robert-Koch-Institut arbeite "mit Hochdruck" an der Ursachenforschung. Die Politikerin appellierte grundsätzlich an die Verbraucher, auf die "allgemeinen Hygiene-Vorschriften" zu achten. Dazu zähle unter anderem, Gemüse gut zu waschen und benutzte Schneidebretter sauber zu machen.

Die Herkunft des aggressiven Darmkeims vermuten einige Experten derzeit in vorportionierten Salaten. "Im Moment sieht es so aus, als wenn Salatbars, also vorbereitete Salatteile eine Rolle spielen", sagte die ärztliche Leiterin des Großlabors Medilys der Asklepios-Kliniken in Hamburg, Susanne Huggett, in der gleichen Sendung. Die Untersuchungen seien noch nicht abgeschlossen. "Es wird aber mit Hochdruck daran gearbeitet." Die lebensgefährliche Infektion geht mit Durchfall, Erbrechen und Übelkeit einher. Eine 83-Jährige starb beim aktuellen Krankheitsausbruch nachweislich durch die Infektion.

Das aggressive Bakterium ist seit Mitte Mai in Deutschland aktiv. Worüber der Keim übertragen wird, ist noch unklar. Experten vermuten, dass ungewaschenes Gemüse der Grund für die Ansteckung sein könnte. Die Zahl der bestätigten Ehec-Erkrankungen und Verdachtsfällen liegt derzeit bei mehr als 460 Fällen.

Anders als bisher angenommen war die Ehec-Infektion einer Frau in Schleswig-Holstein nicht die Ursache für den Tod der über 80-Jährigen. Dies sagte Gesundheitsminister Heiner Garg unter Berufung auf Angaben der Klinik in Bad Oldesloe. Der Tod von zwei weiteren Frauen in Niedersachsen und Bremen wird derzeit im Zusammenhang mit Ehec-Infektionen gesehen.

Besonders betroffen von der Infektion ist bislang Norddeutschland. Mittlerweile gibt es aber auch in mehr südlich gelegenen Bundesländern bestätigte Erkrankungen und Verdachtsfälle. Der Erreger kann blutigen Durchfall und bei schweren Verläufen das sogenannte hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) verursachen. Bei HUS kann es zu akutem Nierenversagen kommen.

Der Chef des Robert-Koch-Instituts, Reinhard Burger, erwartet bald ein Abflauen bei den grassierenden Ehec-Infektionen. "An sich muss das jetzt abfallen, das kann nicht so weitergehen", sagte Burger am Rande einer Sitzung des Gesundheitsausschusses im Bundestag in Berlin. Bisher sei kein einzelnes Lebensmittel als Quelle identifiziert worden. "Es war nicht ein einziges Produkt erkennbar." Gülle als Ursache sei "natürlich theoretisch eine Erklärung", aber dafür gebe es keine Daten.

Es gebe mittlerweile 130 schwere Verlaufsfälle im Vergleich zu 60 bis 70 Fällen sonst im ganzen Jahr. Da Frauen am meisten betroffen seien, liege die Interpretation nahe, dass sie sich bei der Verarbeitung von Lebensmitteln infiziert hätten.

Burger sagte, möglicherweise finde man überhaupt keine eindeutige Quelle, etwa wenn die Ursache bei leicht verderblichen Lebensmitteln liege, die bereits verzehrt worden seien. "Im Moment sind die Hygiene-Maßnahmen das Allerwichtigste." Dies betreffe vor allem die Küchenhygiene bei jedem Einzelnen.