Das Hamburger Hygiene-Institut hat Salatgurken aus Spanien als Träger der gefährlichen Ehec-Erreger identifiziert. Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) sagte, bei drei Gurken aus Spanien sei der Erreger eindeutig festgestellt worden. Die Ergebnisse sollten bei weiteren Messungen überprüft werden. Die Studie sei bislang nur in Hamburg erfolgt und habe nur bedingten Aussagewert für andere betroffene Orte, sagte die Senatorin "Es ist nicht auszuschließen, dass auch andere Lebensmittel als Infektionsquelle infrage kommen."

Die Salatgurken der beiden betroffenen Hersteller würden nun aus dem Handel entfernt. Verbraucher sollten auf den Verzehr von Salatgurken verzichten. Schon zuvor hatte der Deutsche Bauernverband (DBV) erklärt, der Krankheitserreger sei nicht durch heimisches Gemüse in die Lebensmittelkette geraten. Derzeit würden noch keine im Freiland gezogenen Tomaten und Gurken geerntet, schon gar nicht in Norddeutschland.

Wie gefährlich ist der Erreger, der lebensgefährliche Darmerkrankungen auslösen kann? Was sie über Ehec wissen sollten. © Christian Charisius/​dpa/​lno

Eine Ausbruchsquelle war in Deutschland tagelang nicht mit Sicherheit festzustellen. Am Mittwochabend hatte das Robert-Koch-Institut die Empfehlung herausgegeben, rohe Tomaten, Blattsalate und Salatgurken in Norddeutschland zu meiden. In norddeutschen Lebensmitteln wurden bisher allerdings keine Ehec-Darmkeime gefunden. "Alle gezogenen Proben von den drei großen in Norddeutschland ansässigen Erzeugerorganisationen waren negativ", sagte der Sprecher der Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen Obst und Gemüse (BVEO), Karl Schmitz. Die großen Gemüseerzeuger in Norddeutschland wollten ihre Produkte noch vor der Ernte vorsorglich testen, damit das Ergebnis feststeht, bevor die Ware in den Handel kommt. Zudem habe der Verband beim Freilandanbau Bodenproben empfohlen, "damit der Verbraucher guten Gewissens kaufen und essen kann".

Wissenschaftler von der Universität Münster bestimmten den Bakterienstamm des Ehec-Erregers, der sich im Moment in Deutschland ausbreitet. "Es handelt sich um einen Vertreter des Typs Husec 41 und des Sequenztyps ST678", sagte Helge Karch, der das Konsiliarlabor des Robert Koch-Institutes leitet. Dies sei einer von 42 Ehec-Typen, die das Institut seit 1996 dokumentiert hat. Sie wurden aus Patienten isoliert, die in der Vergangenheit am hämolytisch-urämischen Syndrom (Hus) erkrankt waren, der schwersten Komplikation nach einer Ehec-Infektion . Der Name Husec leitet sich ab aus Hus-auslösende Escherichia-coli -Bakterien.

"Weltweit sind von dem Erreger mit dem Sequenztyp ST678 aber keine größeren Ausbrüche bekannt. Es ist erstaunlich, dass er nun in der Lage war, in Deutschland Erkrankungen zu verursachen", sagte Karch ZEIT ONLINE. "Nur ein einziges Mal wurde der Typ beschrieben, bei einer Frau in Korea, die am hämolytisch-urämischen Syndrom (Hus) litt". Ob weitere Menschen in Korea erkrankten, ist nicht bekannt.

Nach ersten Erkenntnissen ist der Erregertyp gegen mehrere Antibiotika resistent. Allerdings werden Ehec-Infektionen ohnehin nicht mit den Medikamenten behandelt. Eine Studie, die 2000 im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde, legt sogar nahe, dass Antibiotika den Verlauf der Krankheit verschlimmern können. Unter den Probanden, die Antibiotika bekommen hatten, entwickelten mehr ein hämolytisch-urämisches Syndrom als jene, die keine Medikamente einnahmen. Der Grund: Da die Mittel die giftigen Bakterien zerstören, werden durch das Medikament vermutlich noch mehr Toxine im Darm freigesetzt. Medikamente, die gezielt gegen Ehec wirken, sind nicht bekannt.

Der nun identifizierte Darmkeim ähnelt zudem einem E.coli -Stamm, der bereits 1994 in Helena im US-Bundesstaat Montana zu einem Ehec-Ausbruch geführt hat. Allerdings ist  klar, dass es sich um einen anderen Erreger handelt. Damals erkrankten mehrere Menschen an schweren Magenkrämpfen und blutigen Durchfällen, darunter – wie derzeit auch in Deutschland – überwiegend Erwachsene und vor allem Frauen. Die Behörden vermuteten Milch einer bestimmten Marke als Ursache für den Ausbruch. Der Erreger konnte allerdings in den Lebensmitteln nicht nachgewiesen werden, weder bei der Herstellerfirma noch in Kühen.

Seit 2007 sind keine neuen Husec-Typen in Deutschland mehr dazugekommen. "Deshalb haben wir uns schon etwas gewundert, dass der Ausbruchsstamm ein bekannter ist, allerdings ist er bisher nicht auffällig in Erscheinung getreten", sagte Karch. Der Mikrobiologe und sein Team haben nun angefangen, einen hochspezifischen Test zu entwickeln. In wenigen Tagen soll er Ärzten zur Verfügung stehen.