Der Darmkeim Ehec ( Enterohämorrhagische Escherichia coli ) hat binnen Tagen in mehreren Bundesländern Menschen infiziert. Der Erreger breitet sich rasch aus und ruft in manchen Fällen außergewöhnlich schwere Erkrankungen mit Nierenleiden hervor, so dass viele Patienten intensivmedizinisch betreut werden müssen.

Allein 67 Menschen in Niedersachsen haben sich bislang mit dem Durchfallkeim i nfiziert. "Zehn von ihnen sind besonders schwer erkrankt, bei einigen besteht Lebensgefahr", teilte das Landesgesundheitsamt mit. Weitere 40 Erkrankungen wurden in Hamburg festgestellt, in Bremen zwei. Auch in Nordrhein-Westfalen und dem Saarland ist der Darmkeim mittlerweile nachgewiesen worden. Einige Patienten seien in einem lebensbedrohlichen Zustand.

Zudem melden die Krankenhäuser zahlreiche weitere Verdachtsfälle. In Bremen gibt es nach Angaben der Landesministerien inzwischen 51 gemeldete Verdachtsfälle, in Schleswig-Holstein 90, in Hamburg etwa 40. Hessen zählte bis Sonntagabend 16 Verdachtsfälle, Mecklenburg-Vorpommern vier.

Normalerweise verlaufen die meisten Erkrankungen nach einer Ehec-Infektion recht harmlos. Betroffene leiden vor allem unter wässrigem Durchfall, viele überwinden eine Erkrankung ohne dass sie medizinisch betreut werden müssen. In der Regel machen die Darmbakterien vor allem Kleinkindern im Alter von vier Jahren am häufigsten zu schaffen. Ehec-Infektionen sind seit dem Jahr 2000 meldepflichtig. Seitdem übermittelten die Gesundheitsbehörden jährlich zwischen rund 900 und 1200 Erkrankungen an das zuständige Robert-Koch-Institut in Berlin (RKI).

Wie gefährlich ist der Erreger, der lebensgefährliche Darmerkrankungen auslösen kann? Was sie über Ehec wissen sollten. © Christian Charisius/​dpa/​lno

Der aktuelle Ausbruch des Erregers verwundert Infektionsmediziner allerdings. Offenbar sind überwiegend Erwachsene schwer erkrankt. Die Erfahrung mit zurückliegenden Ehec-Ausbrüchen zeigt, dass etwa zehn bis 20 Prozent der Infizierten unter heftigeren Verläufen der Erkrankung leiden. Zu den schweren Krankheitssymptomen zählen wässriger oder blutiger Durchfall, Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen. Zudem kann es zu krampfartigen Unterleibsschmerzen und Fieber kommen. Mediziner sprechen hierbei vom hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) . Derzeit leiden mehr als 40 der Infizierten unter diesem Krankheitsbild. Es führt zu Blutarmut, Nierenversagen und kann im äußersten Fall auch tödlich enden. Mediziner und ein Sprecher des niedersächsischen Sozialministeriums riefen dazu auf, bei Symptomen sofort zum Arzt zu gehen.