Die Zahlen der Ehec-Erkrankten steigen stark: Bis Donnerstag zählte das Robert-Koch-Institut in Berlin 214 Fälle des sogenannten hämolytisch-urämischen Syndroms. Am Mittwoch waren es noch 140 gewesen. Die durch die Bakterien verursachte Krankheit kann zu akutem Nierenversagen führen.

Die hohe Zahl und die schweren Verläufe der Erkrankungen ist extrem ungewöhnlich. Sonst gibt es pro Jahr nur etwa 60 solche Fälle.

Wie gefährlich ist der Erreger, der lebensgefährliche Darmerkrankungen auslösen kann? Was sie über Ehec wissen sollten. © Christian Charisius/​dpa/​lno

Das Bundesinstitut für Risikobewertung gibt nach der Entdeckung der Keime in spanischen Gurken keine Entwarnung für andere Gurken, Tomaten und Blattsalate. Wer hundert Prozent sicher gehen wolle, sollte in ganz Deutschland auf den Verzehr verzichten, sagte ein Sprecher.

Seitdem Lebensmittelfachleute in drei Gurken aus Spanien Ehec-Keime fanden, bieten die großen deutschen Lebensmittelhändler Lieferungen dieser Herkunft bis auf Weiteres nicht mehr an.

Eine Warnung vor Gemüse aus Norddeutschland vom Mittwoch stellte sich jedoch als Fehler heraus. Das Robert-Koch-Institut hatte mitgeteilt, die in dieser Region Erkrankten hätten zuvor deutlich häufiger rohe Tomaten, Gurken und Blattsalate verzehrt. Die Betroffenen hatten zwar das Gemüse gegessen, den Zusammenhang, die Erzeugnisse stammten von norddeutschen Agrarbetrieben, hatte eine Nachrichtenagentur hergestellt – auch ZEIT ONLINE hatte dies übernommen. Das Institut hatte aber davor gewarnt, in Norddeutschland die rohen Gemüse zu essen. Deutsche Gemüsebauern fürchteten um ihre Umsätze und klagten über Rufschädigung.

Befürchtungen, Ehec-Keime könnten ins Trinkwasser gelangen, entkräftete das Bundesumweltamt. Ehec seien Bakterien, die über zahlreiche Barrieren im Trinkwasser-Versorgungssystemen eliminiert werden könnten, sagte ein Sprecher. Bei Versorgungssystemen aus Grundwasser würden sie durch die Filterwirkung des Bodens ausgeschaltet. Bei Oberflächenwasser wirkten Filtration und Desinfektion.

Darmerkrankungen durch Ehec sind inzwischen auch in Großbritannien, den Niederlanden und Schweden aufgetreten. Einige der infizierten Personen hätten sich zuvor in Deutschland aufgehalten, sagte ein Sprecher der EU-Kommission. Das trifft nach Angaben des staatlichen Seruminstituts auch bei mehreren Fällen in Dänemark zu.

Deutschland halte die anderen Mitgliedstaaten auf dem Laufenden über die Ausbreitung der Krankheit und die Forschung nach den Ursachen, hieß es von der EU. Die Kommission und das in Stockholm ansässige Europäische Zentrum zur Krankheitsprävention stünden täglich in Kontakt mit den deutschen Behörden und den anderen betroffenen EU-Ländern.